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    2021
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So haben Handwerksbetriebe bisher Corona erlebt

So haben Handwerksbetriebe bisher Corona erlebt

Bielefeld. Fast eineinhalb Jahre sind bald vergangenen, seit das Corona-Virus auch in Deutschland aufgetaucht ist. Seitdem ist kaum noch etwas wie zuvor. Wie haben Handwerksbetriebe aus Bielefeld und Ostwestfalen-Lippe diese Zeit bisher erlebt – und wie haben sie sie überlebt? Die Kreishandwerkerschaft hat nachgefragt.

Für Friseurmeisterin Bettina Niese waren es vor allem die ständig neuen Auflagen für den Betrieb ihres Salons, die ihr Kopfzerbrechen bereitet haben. „Teilweise haben wir am morgen eine E-Mail mit den geltenden Regeln bekommen und schon am Nachmittag eine neue, in der vieles wieder ganz anders vorgegeben war“, erinnert sie sich. Das habe bei der Art der vorgeschriebenen Mund-Nasen-Masken begonnen, und bei der vorgeschriebenen Fläche pro Kunden noch lange nicht aufgehört. „So hat man einfach überhaupt keine Planungssicherheit.“ Teils habe es gar unterschiedliche Aussagen vom Land und von der Stadt gegeben. „Das war etwa der der Fall beim Thema Selbsttest für Kunden, die nicht so mobil sind.“ Auch dadurch, dass nur noch mit Termin gearbeitet werden darf und spontane Friseur-Besuche so ganz wegfallen, fiele viel Umsatz weg. Ausgeglichen werde diese Ausfall nur bedingt. „Von der Überbrückungshilfe III habe ich bis heute noch nichts gesehen“, sagt Niese. Und die vermeintlich unbürokratische Soforthilfe von Beginn der Pandemie offenbare mittlerweile viele Fallstricke. „Dadurch dass wir direkt nach der ersten Öffnung damals von früh bis spät mit voller Kraft gearbeitet und so wieder etwas Umsatz erwirtschaftet haben, werden wir einen Großteil der Hilfe wieder zurückzahlen müssen.“ So geht es auch vielen anderen Friseurbetrieben.

Im März hat die Fleischerei Niehage ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Auf ein großes Fest mussten Thomas Kohring uns seine Familie dabei verzichten. Nur in kleinstem Rahmen wurde ihm von Innungs-Geschäftsführerin Melanie Busch und dem Handwerkskammer-Präsidenten Peter Eul eine Ehrenurkunde überreicht. Dass auch sonst nicht mehr groß gefeiert wird, das bemerken er und sein Fleischerei-Team deutlich im Verkaufsalltag. „Die großen Bratwurst-Bestellungen bleiben jetzt völlig aus“, erzählt Kohring. Dabei sei die Wurst sonst immer äußerst beliebt gewesen, auch weit über die Nachbarschaft in Ubbedissen hinaus. Davon abgesehen sei seine Fleischerei gut aufgestellt gewesen für die immer neuen, teils immer strengeren Corona-Auflagen. „Unsere Räumlichkeiten sind ausreichend groß, dass sich hier nie Kunden zu nah kommen müssten. Das schätzen viele Menschen an unserer Fleischerei, in der es auch viele andere Lebensmittel des täglichen Bedarfes gibt“, sagt Kohring.

Und wo Feste ausbleiben, da tragen Menschen auch seltener ihre feine Garderobe. Das konnte Tobias Grundmann feststellen, Inhaber von Kleine Textilpflege in Bielefeld-Brackwede. „Abendkleider oder Frack haben wir so gut wie keine mehr zur Reinigung hier“, erklärt er. „Auch Oberhemden haben in ihrer Zahl deutlich abgenommen.“ Wer im Home Office sitzt, muss schließlich nicht täglich mit weißem Kragen voll angekleidet seiner Arbeit nachgehen, sondern kann es immer öfter auch mal in der Jogginghose etwas gemütlicher angehen lassen.