• Februar

    12

    2021
  • 176
  • 0
Konjunktur-Umfrage: Corona-Maßnahmen hinterlassen Spuren

Konjunktur-Umfrage: Corona-Maßnahmen hinterlassen Spuren

Bielefeld. Wie hart treffen die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung die Betriebe? Die Konjunkturumfrage der Kreishandwerkerschaft zeigt ein geteiltes Bild- und viel durch den Lockdown bedingte Unsicherheit für das laufende Jahr. „In der Breite ist das Handwerk bis Jahresende im Vergleich zu anderen Branchen gut durch die Rezession gekommen, aber es gibt deutliche Unterschiede in der Betroffenheit“, erklärt Kreishandwerksmeister Frank Wulfmeyer.

Handwerk auf Erfolgskurs, steigende Beschäftigungszahlen, weiteres Umsatzwachstum – dieses waren die Kernaussagen der Konjunkturumfrage vor einem Jahr. Kurz danach kam bedingt durch Corona alles anders. Zwar erwies sich das Bielefelder Handwerk in der Breite auch 2020 als Stabilitätsanker, doch in allen Betrieben mit Handelsanteil, für Betriebe, die mit Gaststätten und Hotels zusammenarbeiten oder die im Messe- und Ausstellungsgeschäft tätig sind, bedeutete das vergangene Jahr starke Einbußen. Besonders betroffen ist durch den kompletten Lockdown das Friseurhandwerk, aber auch die Kraftfahrzeug-Handelsbetriebe mussten starke Einbußen hinnehmen. „Schon der erste Lockdown im Frühjahr 2020 hat uns hart getroffen. Die verlorenen Umsätze konnten bis Mitte Dezember nur zum Teil aufgeholt werden. Die negativen Folgen des derzeitigen Lockdown sind noch nicht endgültig absehbar, sie werden aber gravierend sein“, sagt Markus Turri, Obermeister der Friseur-Innung Bielefeld.

In fast allen Branchen berichten nahezu 2/3 der Betriebe von Umsatzrückgängen, die insbesondere natürlich die vom Lockdown direkt oder indirekt betroffenen Betriebe hinnehmen mussten. Zu den Ausnahmen zählt das Bau- und Ausbaugewerb, das insgesamt gut durch das vergangene Jahr gekommen ist. Teils profitierte es sogar von einer erhöhten Nachfrage nach Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen. „Viele Kunden sehen richtigerweise nach wie vor die Investition in ihr Eigenheim als Zukunftsinvestition“, sagt Martin Lang, stellvertretender Kreishandwerksmeister. Gerade die Betriebe des Bau- und Ausbauhandwerks bewegen sich in der Breite deshalb nach wie vor auf einem hohen Level. Nahezu drei Viertel der Betriebe sprechen von gestiegenem oder unverändertem Umsatz, der sich schon in den Vorjahren auf einem hohen Niveau bewegte. Nur knapp ein Viertel der Betriebe spricht von Umsatzrückgängen, die durch die konkrete Kundenstruktur bedingt sein können.

Stabile Beschäftigungszahlen 

Die Handwerksbetriebe sind in Bielefeld ein wesentlicher Stabilitätsanker für den lokalen Arbeitsmarkt. Nur 37 Prozent der Betriebe sprechen von einer zurückgegangenen Mitarbeiterzahl in 2020. Hierin ist aber auch die normale Fluktuation, etwa durch den Eintritt in das Rentenalter, enthalten sowie die – vorübergehende – Entlassung von Teilzeitkräften, für die es kein Kurzarbeitergeld gibt. „Auch in der Pandemie sind die Arbeitsplätze im Handwerk vergleichsweise sicher“, sagt KH-Hauptgeschäftsführer Jürgen Sautmann. 79 Prozent der Betriebe gaben an, dass es keine Entlassungen wegen „Corona“ gegeben habe. „Die Kurzarbeit hatte eine stabilisierende Wirkung. Dieses Instrument wurde von knapp 40 Prozent der Betriebe genutzt im Schnitt aller Branchen.“ Darüber hinaus nahmen die weitaus überwiegende Mehrzahl der Kurzarbeitsbetriebe eine Frist von mehr als vier Wochen in Anspruch, auch heute ist die Kurzarbeit noch ein Thema.

Skepsis für 2021

Die weitere Entwicklung im Handwerk hängt maßgeblich von der Dauer der staatlichen Corona-Beschränkungen ab. Für viele Branchen sind mindestens die ersten beiden Monate des Jahres verlorene Monate. „Die Verluste lassen sich auch bei einem guten weiteren Jahresverlauf nicht aufholen“, betont Wulfmeyer. Es sei es für viele Betriebe nun wichtig, überhaupt „durchzukommen“. Allein das Ausbauhandwerk und mit Abstrichen die Nahrungsmittelhandwerke erwarten eine positive Entwicklung, Skepsis gibt es hingegen auch bei den Betrieben des Hoch- und Tiefbaus – 77 % erwarten hier zurückgehende Umsätze. Deutliche Skepsis gibt es in den übrigen Branchen.

Die Politik hat bei betroffenen Betrieben hohe Erwartungen geweckt, was Hilfeleistungen angeht. Die Auszahlung erfolgt aber oft zögerlich, die Regelungen sind vielfach nicht praxistauglich. „Zunächst ist die Auszahlung von höheren Abschlägen notwendig, um das Überleben der Betriebe zu sichern“, sagt Wulfmeyer.  Gerade beim stark betroffenen Friseurhandwerk musste man feststellen, dass die Referenzmonate beim Vergleich der Umsatzzahlen gerade diejenigen waren, in denen die Friseurbetriebe die Arbeiten des ersten Lockdowns nachholten. Insofern besteht bei derartigen Situationen die Gefahr, dass eine ganze Branche von den Hilfen nicht partizipieren kann. In solchen Fällen, die es immer wieder gibt, müssen Bund und Land nachjustieren. Stellvertretender Kreishandwerksmeister Martin Lang: „Neben den Friseuren brauchen auch Autohäuser sowie Café- und Imbissbetriebe der Lebensmittelhandwerke benötigen hier bald ein deutliches Zeichen der Politik – eine verlässliche Unterstützung – damit das Licht an bleibt.“

Unzulässige Konkurrenten

Im Gegensatz zu vielen Kleinbetrieben mit Handelsanteil dürfen größere Kaufhäuser weiter flächendeckend Produkte verkaufen, wenn der Schwerpunkt im Lebensmittelbereich liegt. Hier liegt eine unzulässige Ungleichbehandlung vor. Gerade unsere Klein- und Mittelbetriebe haben gute Hygienekonzepte, sodass eine Eröffnung ermöglicht werden muss. Beschwerden gibt es hier etwa im Bereich der Orthopädie-Schuhtechnik, einem Gesundheitsberuf, bei dem im Handwerksbetrieb oftmals noch ein Schuhhandel angegliedert ist, aber auch bei den Informationstechnikern oder Elektrikern.

Die Ergebnisse im Überblick:

Wie hoch schätzen Sie den Umsatzausfall durch Corona?


GesamtBauAusbauGesundheitErnährungFahrzeugMetallDienstleistungSonstige
Kein Umsatzausfall355267,5163323252533,5
Bis 10 % Ausfall22252336173117290
Über 10 % Ausfall43239,5485046584666,5

Entlassungen wegen „Corona“


GesamtBauAusbauGesundheitErnährungFahrzeugMetallDienstleistungSonstige
Nein7993,5997933896768100
Ja216,512167113332

Kurzarbeit wegen „Corona“


GesamtBauAusbauGesundheitErnährungFahrzeugMetallDienstleistungSonstige
nein498483313346423933,5
ja511617696754586166,5
Ja, länger als
4 Wochen
65,58036831005786820
Ja, bis
4 Wochen
34,5206417431418100


Konjunkturumfrage 2020/2021 – Angabe in Prozent

Umsatz 2020 im Vergleich zum Vorjahr (2019)


GesamtBauAusbauGesundheitErnährungFahrzeugMetallDienstleistungSonstige
gestiegen27484317331102933,5
unverändert21263021172733170
gesunken522627625062675466,5

Umsatzerwartungen für 2021


GesamtBauAusbauGesundheitErnährungFahrzeugMetallDienstleistungSonstige
steigend2219,53145015251433,5
konstant3819,5696250508430
sinkend4061282435674366,5

Beschäftigtenzahl 2020 im Vergleich zum Vorjahr (2019)


GesamtBauAusbauGesundheitErnährungFahrzeugMetallDienstleistungSonstige
gestiegen1335211211,58140
unverändert50526357507742570
gesunken371316315011,55029100

Erwartung Beschäftigtenzahlen für 2021


GesamtBauAusbauGesundheitErnährungFahrzeugMetallDienstleistungSonstige
steigend12161210337,5014,50
unverändert686,586766785837167
sinkend2077,52147,51714,533

Umsatzentwicklung der letzten 6 Jahre:

TendenzUmfrage 2014Umfrage 2015Umfrage 2016Umfrage 2017Umfrage 2018Umfrage 2019Umfrage 2020
gestiegen45,63 %47 %47 %47,27 %41 %36,5 %27 %
unverändert28,69 %38 %41 %30,85 %39 %37,0 %21 %
gesunken25,68 %15 %12 %21,89 %20 %26,5 %52 %