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Friseur- und Kosmetiksalon Bettina Niese aus Bielefeld erhält Urkunde für kulturelle Vielfalt

Friseur- und Kosmetiksalon Bettina Niese aus Bielefeld erhält Urkunde für kulturelle Vielfalt

Bielefeld. In Zeiten des Nachwuchs- und Fachkräftemangels beschäftigen immer mehr Handwerksbetriebe erfolgreich Menschen mit Migrationshintergrund – eine Bereicherung, die oft aber auch viel Einsatz und Rücksichtnahme untereinander verlangt. Aus diesem Grund stand der diesjährige bundesweite #macherimpulse-Award der Krankenkasse IKK classic unter dem Motto „Kulturelle Vielfalt – Chancen nutzen“. In der Kategorie „Handwerk bis 50 Mitarbeiter“ hat Bettina Niese, Frisuren und Kosmetik in Bielefeld, eine TopPlatzierung (Platz drei) erreicht. Am Montag, den 5. Oktober, nahm die Saloninhaberin aus Stieghorst die Urkunde von IKK- Regionalgeschäftsführer Dirk Langert entgegen.

Eines der drängendsten Probleme im Handwerk ist es, geeignete Auszubildende zu finden. Jedes Jahr bleiben zwischen 15.000 und 20.000 Lehrstellen unbesetzt. Immer mehr Betriebe versuchen, diesen Engpass zu lösen, indem sie auf geeignete Kandidaten mit Migrationshintergrund setzen. So auch Bettina Niese. Seit einigen Jahren beschäftigt sie junge Frauen in ihrem Salon – beispielsweise aus Syrien, dem Irak, der Türkei oder eine Volontärin aus Frankreich, die in Äthiopien geboren wurde. Sie bietet ihnen sowohl eine berufliche Chance als auch eine Perspektive. Dabei begleitet sie die Frauen nicht nur durch die Prüfungen, sie unterstützt ihre Schützlinge auch bei kulturellen und privaten oder familiären Anliegen. „Das ist nicht immer einfach und benötigt ganz viel Empathie und Toleranz – auch von den anderen Kolleginnen, für deren Unterstützung ich sehr dankbar bin“, sagt die Friseurmeisterin.

Dirk Langert freut sich sehr über die gute Platzierung des Friseursalons beim #macherimpulse-Award: „Die stellvertretende Obermeisterin der Friseurinnung und alternierende Vorsitzende im Berufsbildungsausschuss der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld gibt – egal bei welchem Ehrenamt – immer 120 Prozent.“ Sie hat viel Erfahrung und ein gutes Händchen im Umgang mit jungen Menschen ausländischen Ursprungs und wurde für ihren Einsatz für Integration schon mit einigen Preisen ausgezeichnet. „Eine solch offene Unternehmenskultur ist ein Gewinn – für den Betrieb, für die Mitarbeiter, für die Kunden und die Gesellschaft“, sagt Dirk Langert.

Entgegen dem Rollenbild im Ursprungsland der Frauen, leben wir in Deutschland selbstbestimmt und selbstständig – auch was den eigenen Beruf betrifft. „Das gefällt zwar den jungen Frauen, ihren Familien aber eher nicht. Da müssen sie oft einen Spagat machen, zwischen dem, was sie möchten und dem, was sie dürfen“, sagt Bettina Niese. So auch ihre aktuelle Auszubildende Brevan Dawood. Sie ist 26 Jahre alt und mittlerweile im zweiten Ausbildungsjahr. Nach einem einjährigen Praktikum hat sie mit einer Einstiegsqualifizierung begonnen. Ihre Chefin unterstützt sie bei all diesen Schritten – über das übliche Maß hinaus – und hofft, dass sie in 2022 ihre Gesellenprüfung machen kann. Vor ihrer Flucht aus dem Irak war Brevan Dawood bereits als Friseurin tätig. „Ihre Techniken und das Verständnis für Schönheit und Ästhetik sind inspirierend und bereichernd. Von dem, was sie in Bezug auf festliche Frisuren und Kosmetik aus ihrem Heimatland mitgebracht hat, können wir viel lernen“, so Bettina Niese.

Foto: (v.l.n.r.) Friseurmeisterin Bettina Niese, Auszubildende Brevan Dawood, IKK-Regionalgeschäftsführer Dirk Langert