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    2020
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Tischler Paul Moshage feiert Eisernes Meisterjubiläum

Tischler Paul Moshage feiert Eisernes Meisterjubiläum

Bielefeld. Es riecht nach frischen Sägespänen und Möbelpolitur: In der Tischlerei von Paul Moshage brennt ausnahmsweise auch am Wochenende das Licht, als er Samstagmorgen den Kreishandwerksmeister Frank Wulfmeyer in seinen Räumen begrüßen kann. Der ist auch Tischlermeister und den Jubilar kennt er schon lange. „Es ist erst das zweite Mal in meiner Amtszeit, dass ich einen Eisernen Meisterbrief überreichen darf“, sagt Wulfmeyer. 65 Jahre nach Erwerb des Meistertitels noch fit und selbstständig zu sein, das sei keine Selbstverständlichkeit. 

Gut gelaunt nimmt Moshage, stolze 89 Jahre alt, die besondere Urkunde entgegen. Der Regen prasselt sanft an die Scheiben seiner Tischlerei und er erinnert sich an seine frühen Jahre in dem Handwerk, dem er bis heute treu geblieben ist. „Wenn ich so zurückdenke, dann war es damals doch noch deutlich kälter“, sagt er. In dicker Jacke sei er damals, 1955, auf seinem Motorrad zur Meisterprüfung gefahren. „Eigentlich hätte ich die Prüfung schon ein Jahr früher machen sollen, doch der Jahrgang war voll und ich nun einmal der jüngste von allen Kursteilnehmern.“

Dass Paul Moshage einmal Tischler werden würde, dass war im offenbar schon in die Wiege gelegt. „Auch mein Großvater und mein Vater waren Tischler“, erzählt er. „Dabei hätte ich mir auch durchaus vorstellen können, Landwirt zu werden.“ 1946 begann der gebürtige Bielefelder seine Ausbildung im Familienbetrieb. „Die Tischlerei Moshage ist heute eine der ältesten ihrer Art in Bielefeld“, weiß Frank Wulfmeyer. Bereits 1889 war sie gegründet worden. Und wie damals noch die Arbeiten zum Kunden kam, weiß Moshage noch genau. „Teilweise haben wir die Möbel noch mit dem Handkarren bis zum Bahnhof gezogen und dann in den Zug gepackt.“

Ihn selbst hat es 1958, wenige Jahre nach seiner Meisterprüfung, auch in die Ferne gezogen. „Eineinviertel Jahr habe ich in Tischlereien in der Schweiz gearbeitet“, erzählt Moshage. Dabei habe er etwa auch das bauen von Uhren gelernt. „Für mich war das teils aber auch wie Urlaub“, gesteht er. „Vor allem am Wochenende war es schön, wenn ich in der Natur viel Fahrrad fahren konnte.“ Sport hielt ihn aber auch in der Heimat fit. Leichtathletik, Handball und Tennis standen regelmäßig auf dem Programm. „Bis heute bin ich auch eine ganz schöne Wasserratte.“

Moshages Sohn Jürgen ist mittlerweile ebenfalls Tischler. Er nimmt dem Vater im Betrieb viel Arbeit ab. Und er weiß, was dem Jubilar wichtig ist. „Er arbeitet besonders gerne sehr genau. So etwas wie ein falsch gemessenes Fenster hat es bei ihm eigentlich nie gegeben“, sagt Jürgen Moshage. 

Auch das Meisterstück von Paul Moshage, mit dem er einst seine Prüfung mit Erfolg absolvierte, gibt es noch. Der Wohnzimmerschrank steht mittlerweile aber im Esszimmer.