• August

    31

    2020
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Energetische Sanierung von der Steuer absetzen

Energetische Sanierung von der Steuer absetzen

Berlin. Seit Anfang 2020 können die Kosten von energetischen Sanierungsmaßnahmen in Gebäuden, die zu eigenen Wohnzwecken genutzten werden, von der Steuer abgesetzt werden. Gemäß § 35c Absatz 1 Satz 7 des Einkommensteuergesetzes (EstG) kann diese Steuerermäßigung von Gebäudebesitzern nur dann in Anspruch genommen werden, wenn durch eine Bescheinigung nachgewiesen wird, dass die entsprechenden energetischen Voraussetzungen erfüllt sind.

Im Rahmen des Klimaschutzprogramms 2030 der Bundesregierung wurde das Einkommensteuergesetz um §35c EStG ergänzt. §35c EStG sieht vor, bestimmte energetische Einzelmaßnahmen an selbstgenutzten Wohngebäuden, die zu Beginn der Sanierung älter als 10 Jahre sind, steuerlich zu fördern. Diese energetischen Maßnahmen sind: Wärmedämmung von Wänden, Wärmedämmung von Dachflächen, Wärmedämmung von Geschossdecken, Erneuerung der Fenster oder Außentüren, Erneuerung oder Einbau einer Lüftungsanlage, Erneuerung der Heizungsanlage, Einbau von digitalen Systemen zur energetischen Betriebs- und Verbrauchsoptimierung und Optimierung bestehender Heizungsanlagen, sofern diese älter als zwei Jahre sind.

Mit Hilfe des neuen Paragrafen soll das Ziel der Bundesregierung, die Treibhausgase bis 2030 um mindestens 40 % gegenüber 1990 zu verringern, unterstützt werden. Dieses Ziel kann aber nur erreicht werden, wenn die energetischen Maßnahmen bestimmte Mindestanforderungen einhalten. Um einen Gleichlauf der steuerrechtlichen Förderung mit den bestehenden Programmen der Gebäudeförderung (z.B. KfW) zu gewährleisten, sind die energetischen Mindestanforderungen mit denen der bestehenden Förderrichtlinien des Bundes abgeglichen.

Private Eigentümer können 20 Prozent von bis zu 200.000 Euro Sanierungskosten über einen Zeitraum von drei Jahren von ihrer Steuerschuld abziehen. Im 1. und 2. Kalenderjahr wird die Einkommensteuer um je 7 % der Sanierungskosten ermäßigt – und zwar bis zu einer Summe von maximal 14.000 Euro pro Jahr. Im 3. Kalenderjahr können weitere 6 % geltend gemacht werden – und zwar bis zu einer Summe von maximal 12.000 Euro. Im Laufe von drei Jahren können so bis zu 40.000 Euro direkt von der Steuerschuld abgezogen werden. Dazu ein Beispiel für ein selbstgenutztes Einfamilienhaus:

SanierungsmaßnahmeKosten (in Euro)Steuerersparnis (in Euro)
Fassadendämmung20.0004.000
Fenster mit 3-fach-Verglasung12.0002.400
dezentrale Lüftungsanlage

mit Wärmerückgewinnung4.000800
Photovoltaikanlage8.0001.600
Luftwärmepumpe17.0003.400
Gesamt61.00012.200

Gemäß des EStG kann die Steuerermäßigung nur in Anspruch genommen werden, wenn durch eine nach amtlichem Muster erstellte Bescheinigung nachgewiesen wird, dass die allgemeinen Voraussetzungen des § 35c EStG und die energetischen Mindestanforderungen nach ESanMV erfüllt sind. Bescheinigungsberechtigt ist jedes ausführende Fachunternehmen, welches die Anforderungen des § 2 der Energetische Sanierungsmaßnahmen-Verordnung (ESanMV) erfüllt. Das sind Unternehmen, die in den folgenden Gewerken tätig sind: Mauer- und Betonbauarbeiten, Stuckateurarbeiten, Maler- und Lackierungsarbeiten, Zimmerer-, Tischler- und Schreinerarbeiten, Wärme-, Kälte- und Schallisolierungsarbeiten, Steinmetz- und Steinbildhauarbeiten, Brunnenbauarbeiten, Dachdeckerarbeiten, Sanitär- und Klempnerarbeiten, Glasarbeiten, Heizungsbau und installation, Kälteanlagenbau, Elektrotechnik und -installation, Metallbau.

Zudem sind von einem Fachunternehmen ausschließlich energetische Maßnahmen zu bescheinigen, die in sein Gewerk passen! So ist es beispielsweise Glasern nicht gestattet, eine neue Heiztechnik zu bescheinigen.

Neben dem Fachunternehmen sind auch Energieberater bescheinigungsberechtigt, denen es nach § 21 Energieeinsparverordnung (EnEV) erlaubt ist Energieausweise auszustellen. Zu diesem Personenkreis gehören:

  • vom BAFA zugelassene Energieberater für das Förderprogramm „Energieberatung für Wohngebäude“
  • Energieeffizienz-Experten, die für das KfW-Förderprogramm „Energieeffizient Bauen und Sanieren-Wohngebäude“ (KfW-Programme 151/152/153 und 430) gelistet sind
  • alle weiteren Personen mit Ausstellungsberechtigung nach § 21 EnEV (z.B. aufgrund eines in § 21 EnEV genannten berufsqualifizierenden Hochschulabschlusses in Verbindung mit einer Fortbildung im Bereich des energiesparenden Bauens).

Des Weiteren gilt:

  • Energieberater muss vom Bauherrn bzw. ausführenden Fachunternehmen mit der planerischen Begleitung oder Beaufsichtigung beauftragt sein
  • das Vorliegen der Ausstellungsberechtigung nach § 21 EnEV ist

zu bestätigen

Im Schreiben des Bundesfinanzministeriums finden sich die ausführlichen Informationen und auch die amtlichen Musterbescheinigungen: https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Sc hreiben/Steuerarten/Einkommensteuer/2020-03-31-steuerermaessigung- fuer-energetische-massnahmen-bei-zu-eigenen-wohnzwecken-genutzten- gebaeuden.pdf?