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    2020
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Hans Wulfhorst erhält Goldenen Meisterbrief

Hans Wulfhorst erhält Goldenen Meisterbrief

Bielefeld. Bäckermeister Hans Wulfhorst hat seinen Goldenen Meisterbrief bekommen. KH-Hauptgeschäftsführer Jürgen Sautmann, Obermeister Volker Ruwe und Innungs-Vorstandsmitglied Marcus Wulfhorst – sein Sohn – gratulierten herzlich im Rahmen einer privaten Feierstunde.

Hans Wulfhorst hat seine Bäckerausbildung bei seinem Vater Karl Wulfhorst gemacht. Dort lernte er im elterlichen Betrieb, der Bäckerei Wulfhorst, von 1963 bis 1966. Die Eltern hatten die Backstube, die seit 1896 in Heepen von Heinrich und Johanne gegründet wurde, wiederum von ihren Eltern 1952 übernommen. „Zu dieser Zeit haben noch viele Kunden ihre Teige zum Backen vorbeigebracht und die Brote hatten noch Gewichte von 3 Kilo, um die Großfamilien zu ernähren.“, erinnert sich Hans Wulfhorst. Von 1966 bis 1968 lernte er das Konditorenhandwerk bei Café Knigge in Bielefeld. Nach der Bundeswehr ging er bis 1970 zur Meisterschule des Bäckerhandwerks nach Olpe. Bevor er 1978 den elterlichen Betrieb übernahm, sammelte er zunächst Erfahrungen in verschiedenen Bäckereien in Düsseldorf und in Attendorn am Biggesee.

Bis zur Übernahme des elterlichen Betriebs fehlte ihm aber noch ein wichtiger Baustein im Lebenslauf: „Mein Vater sagte dann, bevor Du hier die Bäckerei übernehmen kannst, brauchst Du erst mal eine Frau, die hierfür geeignet ist.“, erzählt Hans Wulfhorst von früher. „Als ich dann meine Frau Gisela geheiratet habe und die das Verkaufen im Laden gelernt hat, durften wir endlich die Bäckerei übernehmen.“ Hans und Gisela waren seit 1978 die dritte Generation der Bäckerei Wulfhorst, die ihre Backstube in Heepen seit 1896 hat. Sie erweiterten den Betrieb auf bis zu fünf Filialen und warben mit dem sprichwörtlichen „Frischebäcker“. Seit 2014 leitet Marcus Wulfhorst als vierte Generation die Bäckerei zusammen mit seiner Frau Valerie. Durch sein Engagement in der Bäckerinnung Bielefeld ergibt sich nun die Gelegenheit, dass er seinem eigenen Vater den goldenen Meisterbrief übergeben kann. „Ich binunheimlich stolz auf meinen Vater. Er hat den Grundstein für unsere heutigen Filialen gelegt und als Frischebäcker unseren guten Ruf für hochqualitative Backwaren etabliert. Gleichzeitig hat er die Familientradition bewahrt und seit 1896 die Backstube in Heepen in dritter Generation fortgeführt. Hierzu gehören auch viele Rezepte und Backprozesse, die er von seinem Vater und Großvater übernommen hat, wie zum Beispiel den Sauerteig, den wir in vielen Broten verbacken. So können wir heuteimmer noch sagen: Wir backen traditionell wie früher. In der Zusammenarbeit rechne ich es meinen beiden Eltern unheimlich hoch an, dass ich mich schon früh ausprobieren und alle Entscheidungen frei treffen konnte. Gleichzeitig stehen sie mir bis heute mit Rat und Tat zur Seite. Sie sind eigentlich immer da, wenn ich sie brauche und das ist eine große Stütze in der heutigen Wettbewerbs- und Kostensituation.“, schätzt Marcus Wulfhorst die Arbeit seiner Eltern wert.

Die Bäckermeister zweier Generationen philosophieren zusammen mit dem Obermeister, was sich in dieser Zeit alles verändert hat im Bäckerhandwerk. „Der Wettbewerb ist deutlich härter geworden: Es gibt weniger Bäckereibetriebe, aber viel mehr Geschäfte. Die kleinen Bäckereien werden weniger, der Preiswettbewerb härter. Wo früher jeder Bäcker sein Einzugsgebiet hatte, gibt es heute einen regelrechten Wettbewerb.“, berichtet Obermeister Volker Ruwe. „Die Anforderungen an den Bäckermeister sind auch vielfältiger geworden. Wo wir früher nur gut backen können mussten, muss sich die heutige Generation auch in Marketing, IT, Personalführung und Controlling auskennen und die Anforderungen von Steuerrecht, Hygiene- und Lebensmittelauflagen usw. auskennen. Gleichzeitig braucht eine Bäckerei heute auch eine viel strategischere Ausrichtung als wir früher – wir haben einfach von Fall zu Fall und mit Bauchgefühl entschieden.“, so Hans Wulfhorst – und Marcus Wulfhorst fügt hinzu: „DiesenHerausforderungen fühlen wir uns noch gewachsen, aber unser Hauptproblem ist heute, qualifiziertes Personal und Auszubildende zu finden, um auch den Fortbestand unserer Bäckerei zu gewährleisten.“, und mit einem Zwinkern setzt er nach: „Sicherheitshalber bringe ich meinen Kindern Carlos und Romy schon einmal bei, wie man den Teig von unserem Westfalen-Ciabatta und Rosinenbrötchen backt!“

Zur Feier des Tages gibt es traditionell Butterkuchen nach Opa Hans Rezept: Familie Wulfhorst feiert mit 4 Generationen samt Kindern und Enkelkindern in ihrer Stammfiliale in der Hillegosser Straße aufgrund der Corona-Richtlinien allein. „Wir hoffen, dass wir ohne Restriktionen mit unseren Kunden und Mitarbeitern zusammen dann wieder unser 125jähriges Bestehen im nächsten Jahr feiern können.“, so Hans und Marcus Wulfhorst.