• Februar

    6

    2020
  • 93
  • 0
KH-Konjunkturumfrage: Handwerk bewegt sich weiter auf hohem Niveau

KH-Konjunkturumfrage: Handwerk bewegt sich weiter auf hohem Niveau

Bielefeld. Die Kreishandwerkerschaft Bielefeld hat am Donnerstag die Ergebnisse ihrer jährlichen Konjunkturumfrage vorgestellt. Die meisten Handwerksbetriebe konnten auch am Ende des Jahres 2019 auf eine erfolgreiche Entwicklung zurückblicken. Viele Meisterbetriebe schieben nach wie vor Sonderschichten, um die Arbeit zu bewältigen. Allerdings zeichnen sich auch leichte Bremsspuren ab – das Wachstum verlangsamt sich in einigen Bereichen.

Seit zehn Jahren hält das Wachstum im Bielefelder Handwerk an und die Umsätze bewegen sich in der Breite der Betriebe auf einem hohen Level.Kreishandwerksmeister Wulfmeyer: „Die Kunden investieren weiter in handwerkliche Qualitätsprodukte und -arbeiten. Wir gehen von einem Wachstum in Höhe von etwa drei Prozent in 2019 aus.“ Bezogen auf 2019 berichten über alle Branchen hinweg 36,5 Prozent der Betriebe von gestiegenen Umsätzen, 37 Prozent von unveränderten (hohen) Umsätzen. Allerdings lässt sich eine Abkühlung der Konjunktur daran feststellen, dass die Zahl der Betriebe mit gestiegenen Umsätzen in den Vorjahren immer zum Teil deutlich über 40% lag.
Vorreiter sind das Gebäudereinigerhandwerk in der Gruppe der Dienstleister, die Gesundheitshandwerke, die Ausbauhandwerke, aber auch die Ernährungshandwerke und das Bauhandwerk können Zuwächse verzeichnen. Eine nachlassende Dynamik kann man beim Metallhandwerk (20 Prozent gestiegene Umsätze / 80 Prozent gesunkene Umsätze), aber auch bei den Gewerken „rund um das Kraftfahrzeug-Gewerbe“ feststellen. Hier verlief das Jahr offenbar etwas verhaltener.

Kreishandwerksmeister Frank Wulfmeyer

Die Beschäftigenzahlen sind insgesamt leicht gewachsen. Hauptgeschäftsführer Sautmann: „Der Arbeitsmarkt ist vielfach leergefegt und aus diesem Grund können wir bei den Auftragslaufzeiten für die Kunden auch keine Entwarnung geben.“ 20 Prozent der Betriebe sprechen von gestiegenen, 20 Prozent von gesunkenen Mitarbeiterzahlen. Einen Zuwachs hat das insbesondere bei den Gesundheitshandwerken und dem Gebäudereinigerhandwerk gegeben. Vielfach können ausscheidende Mitarbeiter nicht ersetzt werden, da es an Bewerbern mangelt. Das gilt insbesondere für die Ernährungshandwerke, aber auch für viele Betriebe der übrigen Branchen. Für 2020 erwarten die Betriebe einen leichten Beschäftigungsanstieg. 

Ausblick 2020
Immerhin 24 Prozent der Betriebe gehen weiterhin von einem Umsatzwachstum in 2020 aus, 61 Prozent sprechen von einem konstanten (hohen) Level. Dieses gilt für fast alle Gewerke mit Ausnahme des Metallhandwerks. Die positive Perspektive ergibt sich auch aus dem Klimapaket, das weitere Anreize in die Sanierung der Gebäudesubstanz setzen wird. Hausbesitzer können Zuschüsse erhalten und bestimmte Maßnahmen steuerlich absetzen.Die Auftragslaufzeiten belaufen sich derzeit nach wie vor auf etwa sieben bis acht Wochen, im Einzelfall länger.

Wirtschaftsverkehr in Bielefeld vor dem Kollaps?
Mit der Fertigstellung einiger Baustellen hatte sich die Situation für Handwerksfahrzeuge zuletzt etwas entspannt. Kreishandwerksmeister Wulfmeyer: „In den nächsten zwei bis drei Jahren befürchten wir aber für den Wirtschaftsverkehr einen Verkehrskollaps.“ Nach Einschätzung der Kreishandwerkerschaft werden die Sperrungen am Jahnplatz den Verkehr in der Innenstadt zum Erliegen bringen. Die Handwerksbetriebe müssen aber ihre Kunden in angemessener Zeit erreichen können. Die durch die zu erwartenden Stauzeiten entstehenden Kosten der Betriebe könne man diesen nicht anlasten, der Kunde sei nicht bereit, diese Kosten zu tragen. M. Lang (Vorstandsmitglied): „Vor diesem Hintergrund könnten die Bus- und Taxistreifen in der Innenstadt, insbesondere am Jahnplatz, zumindest in den nächsten drei Jahren auch für Handwerksbetriebe im Dienst mit entsprechenden Ausweisen freigegeben werden.“ Ferner sollte ähnlich, wie bei Taxen, Parkplätze für Handwerksfahrzeuge in der Innenstadt eingerichtet werden, vor dem Hintergrund des vorgesehenen Rückbaus von Parkplätzen sowie Zufahrts- und Haltemöglichkeiten bei Kunden.

Kritik gibt es auch an dem von Rot-Grün geplanten Rückbau von Ausfallstraßen. Wulfmeyer: „Im Gespräch mit den Parteien wurde uns zugesichert, erst eine Verbesserung der Rahmenbedingungen herbeizuführen – davon will man jetzt wohl nichts mehr wissen.“ Vorrangig sollte zunächst die Situation im Öffentlichen Nahverkehr verbessert werden, auch durch den Ausbau von Park- and Ride-Parkplätzen. Darüber hinaus müsste die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel gesteigert werden.  Wulfmeyer: „Die vorgesehene Schülercard für 29 Euro pro Monat sollte auch für Auszubildende des Handwerks gelten.“ Dieses sei leicht umsetzbar, da alle Auszubildende seit Herbst 2019 über einen Ausweis – die Azubi-Card – verfügen.

Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage 2019/2020 im Überblick:

Umsatz 2019 im Vergleich zum Vorjahr (2018)


Gesamt Bau Ausbau Gesundheit Ernährung Fahrzeug Metall Dienstleistung Sonstige
gestiegen 36,5 % 29 % 38 % 47 % 60 % 13 % 20 % 52 % 33 %
unverändert 37 % 37 % 50 % 26,5 % 20 % 70 % 0 % 42 % 50 %
gesunken 26,5 % 34 % 12 % 26,5 % 20 % 17 % 80 % 6 % 17 %

Umsatzerwartungen für 2020


Gesamt Bau Ausbau Gesundheit Ernährung Fahrzeug Metall Dienstleistung Sonstige
steigend 24 % 14 % 18 % 27 % 60 % 17 % 0 % 23 % 33 %
konstant 61 % 66 % 64 % 63 % 20 % 74 % 80 % 68 % 50 %
sinkend 15 % 20 % 18 % 10 % 20 % 9 % 20 % 9 % 17 %

Beschäftigtenzahl 2019 im Vergleich zum Vorjahr (2018)


Gesamt Bau Ausbau Gesundheit Ernährung Fahrzeug Metall Dienstleistung Sonstige
gestiegen 20 % 20 % 20 % 29 % 20 % 22 % 20 % 26 % 0 %
unverändert 59,5 % 63 % 60 % 60 % 40 % 65 % 40 % 65 % 83 %
gesunken 20,5 % 17 % 20 % 11 % 40 % 13 % 40 % 9 % 17 %

Erwartung Beschäftigtenzahlen für 2020


Gesamt Bau Ausbau Gesundheit Ernährung Fahrzeug Metall Dienstleistung Sonstige
steigend 19 % 8 % 19 % 25 % 40 % 8,5 % 0 % 16 % 34 %
unverändert 65,5 % 83 % 69 % 62 % 40 % 83 % 60 % 78 % 49 %
sinkend 15,5 % 9 % 12 % 23 % 20 % 8,5 % 40 % 6 % 17 %

Erwartete Preisentwicklung im Jahr 2020


Gesamt Bau Ausbau Gesundheit Ernährung Fahrzeug Metall Dienstleistung Sonstige
steigend 52 % 46 % 59 % 42 % 80 % 52 % 40 % 74 % 33 %
stabil bleibend 42 % 51 % 38 % 51 % 20 % 48 % 40 % 26 % 67 %
sinkend 5 % 3 % 3 % 7 % 0 % 0 % 20 % 0 % 0 %

Umsatzentwicklung der letzten 6 Jahre:

Tendenz Umfrage 2014 Umfrage 2015 Umfrage 2016 Umfrage 2017 Umfrage 2018 Umfrage 2019
gestiegen 45,63 % 47 % 47 % 47,27 % 41 % 36,5 %
unverändert 28,69 % 38 % 41 % 30,85 % 39 % 37,0 %
gesunken 25,68 % 15 % 12 % 21,89 % 20 % 26,5 %