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Das schnelle Geld mit unsachgemäßen Polsterarbeiten

Das schnelle Geld mit unsachgemäßen Polsterarbeiten

ZVR will Transparenz und Bewusstsein für deutsche Handwerksqualität schaffen

Unseriöse Polsterbetriebe versprechen top Qualität und satte Rabatte. Was auf den ersten Blick nach
einem verlockenden Angebot aussieht, entpuppt sich schnell als Schwindel und überteuerte Arbeit.
Das Ergebnis sind enttäuschte Kunden und verpfuschte Möbelstück. Durch Polsteranzeigen mit
Lock-Angeboten und hohen Rabatten, die in Tageszeitungen beiliegen, sollen neue Kunden
angeworben werden. Der Zentralverband Raum und Ausstattung (ZVR) will diesem schädlichen
Vorgehen entgegentreten.
Mit vermeintlich günstigen Preisen und Rabatten locken unseriöse Polsterbetriebe, die sich als
„Handwerker“ ausgeben und stets nach demselben Prinzip verfahren. Auf die Firmengründung folgt
die Schaltung von großflächigen Anzeigen oder die Beilage von Flyern in regionalen Tageszeitungen.
Diese sehen bundesweit fast immer gleich aus. Es werden Polsterarbeiten mit sehr großen Rabatten
angeboten und beworben. Ein Indiz für einen unseriösen Anbieter ist oftmals die irreführende
Werbung mit fehlendem Datum für den genauen Aktionszeitraum und fehlender Firmenadresse. So
können die Flyer massenhaft produziert und eingesetzt werden. Die scheinbaren Schnäppchen
entpuppen sich schnell als schlecht verarbeitet und deutlich teurer als erhofft. Hier hat der Kunde an
der vermeintlich falschen Stelle gespart, denn eine seriöse Möbelneupolsterung vom
Raumausstatter oder Sattler ist meist billiger als die Lock-Angebote der „Polsterer“. Sowohl der
Raumausstatter als auch der Sattler lernt das Polstern während der dreijährigen Ausbildung und ist
ihr qualifizierter Ansprechpartner rund um Fragen des Polsterns und Neubeziehens von
Möbelstücken.
Neben den Angeboten in der Tageszeitung tauchen die unseriösen Polsteranbieter auch direkt im
Haushalt der Interessierten zur Beratung auf. Bestimmtes und drängendes Auftreten gegenüber der
Kundschaft zeichnen deren „Verkaufsstrategie“ aus.

Nur so können vermeintlich großzügige Rabatte auf überhöhte Stoffpreise oder Arbeitskosten an
den Mann gebracht werden.
Gegen eine Anzahlung von 30 bis 50 % werden die zu restaurierenden Möbel mitgenommen. Zuerst
wird versucht, die so akquirierten Polsteraufträge bei ortsansässigen Raumausstatter- oder
Sattlerbetrieben fertigen zu lassen. Findet sich kein lokaler Betrieb, werden die Möbel ins Ausland
transportiert und überarbeitet. Die dort erbrachte Handwerksleistung erfüllt häufig nicht die
erwartete Qualität und das Ergebnis entspricht nicht dem Kundenwunsch, wenn das Möbelstück
überhaupt zurückgeliefert wird.
Weitere Kennzeichen für unseriöse Betriebe sind die schnellen Inhaberwechsel, überwiegend mit
gleichem Nachnamen oder die komplette Auflösung des Geschäftssitzes nach kurzer Zeit. So ziehen
die zweifelhaften Geschäftsleute nach einigen Monaten weiter und gründen andernorts eine neue
Firma mit leicht abgeändertem Namen. Ein Mittel, um den kriminellen Machenschaften im
Polstereibereich entgegenzuwirken, ist die Wiedereinführung des Meisters im Raumausstatter- und
Sattler-Handwerk. Im Raumausstatter-Handwerk wurde der Meister bereits vor 2 Jahren
wiedereingeführt. Um ein eigenes Geschäft eröffnen zu können, muss daher jeder Raumausstatter
zuvor den Meisterbrief erlangen. So hat die „Rückvermeisterung“ des Raumausstatterhandwerks
gezeigt, dass der Meister in Deutschland als Gütesiegel für hochwertige Qualität zu bewerten ist. Nur
so können die Ziele der unseriösen Polsterer, schneller Umsatz bei fragwürdiger Qualität, vereitelt
werden. Anderenfalls bleiben am Ende weiterhin geprellte Auftraggeber und regionale
Handwerksbetriebe, deren Rechnungen nicht bezahlt werden, zurück.
Ralf Vowinkel, der Präsident des Zentralverband Raum und Ausstattung bedauert diese Entwicklung
zutiefst: „Wir Raumausstatter und Sattler verlieren so nicht nur unsere Kunden, sondern auch das
Vertrauen und Ansehen des gesamten Handwerks. Als Zentralverband wollen wir gegen diese üble
Masche vorgehen“. Um Verbraucherinnen und Verbraucher vor den Lock-Angeboten der „Polsterer“
zu schützen, hat der ZVR eine Initiative gestartet. Ein Leitfaden mit Handlungsempfehlungen zum
Umgang mit „dubiosen Polsterbetrieben“ wurde bereits vergangenes Jahr an die Delegierten,
Landesinnungsverbände und Innungen des ZVR versandt. Wird ein vermeintlich unseriöser Anbieter
entdeckt und dem ZVR gemeldet, beginnt die Überprüfung. Ist der gemeldete Betrieb in der
Handwerksrolle der Handwerkskammer eingetragen? Denn diese Eintragung gilt als Voraussetzung
zur Ausführung von Polsterarbeiten. Wenn keine solche Eintragung in die Handwerksrolle vorliegt,
kann eine Abmahnung mit Unterlassungserklärung durch die Wettbewerbszentrale erfolgen.
Auf diesem Wege konnten bereits mehr als 20 unseriöse Anbieter der Wettbewerbszentrale
gemeldet werden. Diese Zahl mag auf den ersten Blick gering wirken, ist jedoch ein Schritt in die
richtige Richtung. Denn es ist für den ZVR gar nicht so einfach, die benötigten Informationen für eine
Abmahnung zusammenzutragen.3
Um ein Möbelstück fachgerecht und qualitativ hochwertig aufzupolstern, ist eine Ausbildung als
Raumausstatter oder Sattler Voraussetzung. Hier lernen die Azubis das Handwerk von der Pike auf
kennen. Während der dreijährigen Ausbildung werden bei den Raumausstattern die
Berufsschwerpunkte Dekoration und Sonnenschutz, Boden, Wand und Decke sowie Polstern
durchlaufen. Bei den Sattlern gibt es drei Fachrichtungen, die sich in den Fahrzeugsattler,
Feintäschner oder Reitsportsattler aufteilen. In allen drei Fachrichtungen spielt auch das Polstern
eine große Rolle in der Ausbildung.
Wie erkenne ich seriöse Anbieter?
Um nicht auf die Masche der unseriösen Polstereibetriebe hereinzufallen, sollten Verbraucherinnen
und Verbraucher folgende Punkte bei der Auswahl Ihres Handwerksbetriebs beachten.
Wie lange ist der Betrieb schon am Markt? Wie bereits beschrieben, wechseln die Namen und
Standorte von unseriösen Betreibern sehr oft, wohingegen regionalbekannte und etablierte
Handwerksbetriebe seit längerem am Markt bestehen. Ein weiterer Faktor ist die Garantie und
Gewährleistung, die Sie bei einem seriösen Betrieb erhalten.
„Unseriösen Anbietern erst gar nicht auf den Leim zu gehen, lässt sich als Kundin oder Kunde am
besten umgehen, indem man sich direkt an die Fachbetriebe wendet, oder bei Angeboten überprüft,
ob diese von einem seriösen Betrieb stammen“, betont Karl-Sebastian Schulte, Geschäftsführer des
Unternehmerverbandes des Deutschen Handwerks (UDH), und verdeutlicht, auf was es bei der Wahl
des Handwerksbetriebs ankommt. „Die Mitgliedschaft in der Innung ist ein gutes Zeichen für
geprüfte und bewährte Handwerksqualität. Wenn Sie sich unsicher sind, ob ein Handwerksbetrieb
seriös ist, erkundigen Sie sich nach dessen Mitgliedschaft in der Raumausstatter- und Sattler-
Innung. Sollte der Betrieb Ihnen hierzu keine Auskunft geben, können Sie sich bei Ihrer regionalen
Kreishandwerkerschaft oder Innung erkundigen“, erläutert UDH-Geschäftsführer Schulte.