Jubiläen

Seit 60 Jahren Friseur-Meister

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Bielefeld. Den Diamantenen  Meisterbrief hat jetzt der Bielefelder Friseurmeister Franz Martinschledde erhalten. Bei einer Versammlung der Friseur-Innung sind nicht nur seine erfolgreichen Berufsjahre, sondern auch sein ehrenamtliches Engagement für den Berufsstand gewürdigt worden.
Bereits 1945 schloss Martinschledde mit Erfolg seine Ausbildung in Rheda-Wiedenbrück ab. Als Geselle arbeitete er unter anderem im Bielefelder Salon Hoffendahl. 1954 folgte dann die Meisterprüfung, die er ebenfalls in Bielefeld ablegte. 1960 machte er sich hier mit einem eigenen Betrieb selbstständig. Bis 1994 führte er diesen, übergab ihn dann an seinen Sohn Thomas Martinschledde.
Der heute 83 Jahre alte Friseurmeister engagierte sich lange Zeit auch in der Innung. Anfang der 1950er-Jahre trat er in die Gesellenvereinigung ein und wurde dort später auch zum Vorsitzenden gewählt. Er war Mitglied des Prüfungsausschusses er Innung, hatte das Amt des Lehrlingswartes inne und vertrat im Ausschuss für Lehrlingsstreitigkeiten später die Arbeitgeberseite. Vom Bundesverband des Deutschen Friseurhandwerks hat Franz Martinschledde die Goldene Ehrennadel verliehen bekommen. Mit seiner Ehefrau Sibylla hat Martinschledde vier Kinder. Neben Sohn Thomas, der seinen Betrieb übernommen hat, ist heute auch Tochter Gabriele im Friseurhandwerks aktiv.
Bei der Versammlung der Friseur-Innung haben zudem die beiden Friseurmeister Jürgen und Karin Sieks ihre Silbernen Meisterbriefe erhalten.
Auf dem Foto: (von links) stellvertretende Obermeisterin Bettina Niese, Martinschledde sen., Jürgen Sieks, Karin Sieks und Obermeister Markus Turri.
 

Bäckerei Lamm feiert 75-Jähriges Bestehen

mdm_mbp-5031Bielefeld. Handwerkliche Qualität, Tradition und frische Ideen: Seit 75 Jahren steht bei Familie Lamm und ihrem Team die Zufriedenheit ihrer Kunden an erster Stelle. Die Herausforderung, Menschen mit ihren Backwaren zu begeistern, nehmen sie auch nach einem Dreivierteljahrhundert noch Tag für Tag gerne an – und das mit Erfolg. 1938 an der Meller Straße gegründet, ist die Bäckerei Lamm mittlerweile mit sieben Filialen im Bielefelder Stadtgebiet vertreten, die neuste Filiale hat jüngst an der Jöllenbecker Straße 129 ihre Türen geöffnet. 33 Jahre lang wurde zuletzt noch an der Sudbrackstraße gebacken. Mit dem Neubau der Backstube hinter der Stadtheiser Straße, die seit Jahreswechsel in Betrieb ist, ist die Handwerksbäckerei in Familienbesitz auch für die Zukunft gewappnet. Mit dem alternativen Energiekonzept hatte die Bäckerei Lamm damals eine Vorreiterrolle in ihrem energieintensiven Gewerk inne. Über eine Rückgewinnungsanlage wird etwa die Wärme der Öfen zum Heizen genutzt. Karsten Lamm ist Bäckermeister in dritter Generation und hat den gewachsenen Betrieb 2012 von seinem Vater, Kreishandwerksmeister Hans-Günter Lamm, übernommen. Der 43-Jährige will auch künftig auf echtes Bäckerhandwerk setzen. Täglich werden etwa 30 Brotsorten gebacken. Dabei auch echten Sauerteig zu nutzen, ist bei Lamm Ehrensache. Ein Roggenbrot aus 100 Prozent Roggenmehl oder das Hausbrot mit ganzen Haselnüssen gehören zu den beliebtesten Sorten bei den Kunden, die dafür teils auch gerne längere Wege in Kauf nehmen. Anlässlich des Jubiläums konnten sich die Lamm-Kunden sogar eigene Sorten wünschen. Und die Zutaten? Die kommen, wenn möglich, aus der Region. So wird das Weizen- und Roggenmehl etwa von der Milser Mühle geliefert. Lena Strothmann, Präsidentin der Handwerkskammer OWL, überreicht der Bäckerei Lamm heute die Urkunde zum Betriebsjubiläum und gratuliert zu 75 Jahren Qualität im Backhandwerk.

Jubiläumsempfang mit Handwerkspräsident Otto Kentzler

Bielefeld. Es war ein ganz besonderer Abend, der Abend des 29. August 2012. Die Kreishandwerkerschaft Bielefeld hatte anlässlich ihres 125-jährigen Bestehens zu einem Empfang in das Stadtpalais im Haus des Handwerks eingeladen und viele, viele Gäste, Freunde und Partner des Bielefelder Handwerks, kamen. Der Abend zählt zu den glanzvollen Höhepunkten einer Reihe von Jubiläumsaktivitäten. Kreishandwerksmeister Hans-Günter Lamm konnte rund 380 Gäste aus Handwerk, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft begrüßen. Festredner des Abends war Otto Kentzler, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), die Glückwünsche und Grüße der Stadt Bielefeld überbrachte Oberbürgermeister Pit Clausen. Gaumenkitzel der genussfreudigen Art boten die Innungen der Bäcker, Fleischer und Konditoren mit kulinarischen Spezialitäten ihrer Zünfte. Auch das  abwechslungsreiche musikalische Rahmenprogramm, dargeboten von The Swinging Diamonds sowie viel gute Laune trugen wesentlich zum Gelingen dieser Jubiläumsveranstaltung bei.

In seiner Begrüßungsrede gab Kreishandwerksmeister Lamm einen kurzen Rückblick über 125 Jahre KH in Bielefeld. Die Ereignisse seit 1887 bis hin zur aktuellen Finanz-Euro-Schulden-Krise haben auch im Bielefelder Handwerk zum Teil tiefe Spuren hinterlassen, so Lamm. Am 26. April 1887 wurde der Innungsausschuss gegründet, der Vorläufer des späteren Handwerksamtes und damit der späteren Kreishandwerkerschaft Bielefeld. Lamm: „Unsere handwerklichen Vorfahren hatten schon frühzeitig erkannt, wie bedeutsam organisatorische Grundstrukturen für die Zukunft des Handwerks sein würden. Daran hat sich bis heute nichts geändert!“

Lamm weiter: „Mit der Reichsgründung 1871 galt die allgemeine Gewerbefreiheit für ganz Deutschland. Das war dem Handwerk schon damals ein Dorn im Auge. Und auch das hat sich bis heute nicht geändert.

Schon immer hat sich die Kreishandwerkerschaft Bielefeld nicht nur als reine Verwaltung gesehen. Als örtlicher Arbeitgeberverband des Handwerks waren wir stets auch Interessenvertreter unserer Innungen und deren Mitgliedsbetriebe. Sie ahnen es vielleicht: Auch daran hat sich bis heute nichts geändert. Vielmehr hat sich unsere Kreishandwerkerschaft zu einem sehr effizienten Dienstleister entwickelt und ist ständig bestrebt, ihr Leistungsspektrum weiter auszubauen.

Das ist nur mit einem Rückhalt seitens der Mitgliedsbetriebe, engagierten Ehrenamtsträgern sowie kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der KH und der Bildungszentren möglich. Und da hatte unsere Kreishandwerkerschaft in all den Jahren großes Glück“.

Kompetent -  konstruktiv – kreativ - lebendig

Der Kreishandwerksmeister beschrieb die Kreishandwerkerschaft Bielefeld als einen konstruktiven und kompetenten Gesprächspartner, der mit Argumenten zu überzeugen versucht und nicht mit Polemik. „Das bedeutet nicht, dass wir immer „handzahm“ sind. Wenn es um die Belange unserer Mitglieder geht, können wir sehr streitbar sein. Und das nicht nur in politischen Auseinandersetzungen, sondern auch innerhalb der verschiedenen Verbandsstrukturen“.

Lamm fuhr fort: „Wie lebendig, kreativ und für die Wirtschaft und Gesellschaft unentbehrlich das  Handwerk ist, hat es immer wieder und ganz besonders in Krisenzeiten unter Beweis gestellt. Und Krisenzeiten gab es in den letzten 125 Jahren viele – natürlich auch in Bielefeld. Es ist wesentlich auch der „Gemeinschaft“, den Innungen und ihrer Dachorganisation Kreishandwerkerschaft, zu verdanken, dass die handwerklichen Strukturen erhalten blieben und der Solidaritätsgedanke hochgehalten wurde. Für viele Betriebe bedeutete dies das Überleben, etwa in den Kriegs- und Nachkriegsjahren“.

Das Internet ist keine Alternative zur Innungsmitgliedschaft!

Im Gründungsjahr habe die KH 9 Innungen gezählt, 100 Jahre später seien es 42 Innungen gewesen. Heute gehören der Kreishandwerkerschaft 34 Innungen an. Der Rückgang sei im Wesentlichen auf mehrere Innungsfusionen zurückzuführen.  Dennoch: Auch die Mitgliederzahlen seien in den letzten 25 Jahren deutlich rückläufig. Die Mitgliedschaft in den Innungen sei freiwillig, anders als etwa bei den Kammern. Manch ein Handwerksunternehmer lasse sich von seinem Steuerberater vorrechnen, er könne und sollte den Innungsbeitrag einsparen. „Ein schlechter Rat, berücksichtigt er doch nicht, auf welch großes Leistungsangebot unsere Mitglieder zugreifen können“, so Lamm.

Und er ergänzt: „Manche jüngeren Unternehmerinnen und Unternehmer meinen vielleicht, ihnen genüge das Internet mit seinen sozialen Netzwerken. Ich halte das für eine krasse Fehleinschätzung. Persönliche Beratung und kollegiale Kontakte sind dadurch nicht zu ersetzen“.

Qualifizierte Ausbildung bleibt herausragendes Ziel

Kreishandwerksmeister Lamm erinnerte an einige Höhepunkte aus der langen Geschichte der KH: “Ich erinnere an das 1965 ins Leben gerufene Versorgungswerk, das bis heute Bestand hat. Ein Erfolgsmodell ist ebenfalls unser Glasversicherungsverein auf Gegenseitigkeit. Rund 20 Jahre lang war die KH Trägerorganisation des Lehrlingsfördervereins. Ich nenne diesen Verein symbolhaft für 125 Jahre währendes Engagement unserer KH, ihrer Innungen und der Bildungszentren im Bereich der Ausbildung. Die Teilnahme an Berufsinformationsbörsen und die Initiative „Mit Abitur ins Handwerk“ gehören ebenso dazu wie die Berufsinformation über das Internet. Diese Anstrengungen fortzusetzen – und falls möglich – immer weiter zu  intensivieren, wird auch künftig eine unserer Hauptaufgaben sein. Denn eines ist sicher: Unserer Jugend gehört die Zukunft und das Bielefelder Handwerk bietet ihnen hierzu hervorragende berufliche Perspektiven.

Eine große Bereicherung für das Bielefelder Handwerk war die Gründung des Arbeitskreises Unternehmerfrauen im Handwerk Bielefeld e.V. vor 20 Jahren, der inzwischen um den Bereich Gütersloh erweitert wurde, sowie die Gründung der Bielefelder Handwerksjunioren vor 10 Jahren“.

Zukunft braucht Handwerk!

Abschließend prognostizierte der Kreishandwerksmeister für das Bielefelder Handwerk eine positive Entwicklung: „„Zukunft braucht Handwerk!“ – daran gibt es für mich nichts zu deuteln. Denn: Ohne Handwerk geht es nicht. Diesen Slogan haben wir bereits vor 25 Jahren verwendet. Und bis heute hat er sich schließlich bewahrheitet. Das Handwerk wird sich, wie bisher schon mit großem Erfolg, ständig weiterentwickeln, denn gemäß unserem 100-Jahre-Motto gilt „Handwerk lebt!“.

Es wird eine der Zukunftsaufgaben des Bielefelder Handwerks und damit unserer Kreishandwerkerschaft sein, diese Entwicklung zu begleiten und zu fördern. Wir stellen uns dieser täglich neuen Herausforderung gern. Und ich bin sicher, wir werden diese Herausforderung meistern!“

Oberbürgermeister Pit Clausen

Oberbürgermeister Clausen stellte die Bedeutung des Handwerks als „Wirtschaftsmacht von Nebenan“ heraus. Handwerksbetriebe seien seit Jahrhunderten fester Bestandteil der Stadt und wichtig für Arbeits- und Ausbildungsplätze. Er dankte der Kreishandwerkerschaft für ihr Engagement im Rahmen der Stadtentwicklung, insbesondere auch für den Pavillon, der als Geschenk für die Bielefelder Bürger auf dem Johannisberg errichtet wird.

Präsident Otto Kentzler

Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Otto Kentzler, lobte in seiner Rede die Ausbildungsstärke des Bielefelder Handwerks. Handwerk gelte zwar vielfach als konservativ, dieses sei aber nicht mit „veraltet“ gleichzusetzen.

Kentzler: „Gerade das duale Ausbildungssystem muß als Vorbild für andere europäische Länder gelten.“

Lobend hob Kentzler auch hervor, daß die Kreishandwerkerschaft mit ihren Innungen in der Stadt Verantwortung übernehme, was sich u.a. im Bau des Pavillons auf dem Johannisberg zeige.