Konjunktur-Umfrage: Staus verursachen Millionenschäden

Konjunktur-Umfrage: Staus verursachen Millionenschäden

Bielefeld. Das Hoch im Bielefelder Handwerk hält an. Auch 2018 war die Entwicklung im Bielefelder Handwerk insgesamt sehr positiv. 

41 Prozent der befragten Betriebe sprechen in der jährlichen Konjukktur-Umfrage der Kreishandwerkerschaft Bielefeld von gestiegenen, 39 Prozent von unverändert (hohen) Umsätzen. Allerdings verlangsamen sich die Zuwächse insbesondere im Vergleich zu den Boomjahren 2014 bis 2016.

Einen deutlichen Zuwachs verzeichnen insbesondere die Bau-, Straßenbau- und Ausbauhandwerke. Hier gibt es zum Teil für die Abwicklung eines Auftrages Vorlaufzeiten bis zu einem halben Jahr. Während die Bau- und Ausbauhandwerke schon seit einigen Jahren eine sehr positive Entwicklung aufweisen, kommen dem Straßenbauerhandwerk gerade die Investitionen der letzten Jahre zugute. Auch das Gebäudereinigerhandwerk mit seinen umfassenden Dienstleistungen ist weiterhin auf Steigerungskurs. 

Kreishandwerksmeister FranknWulfmeyer: „Die Kunden investieren weiter in Haus, Auto und weitere Qualitätsprodukte des Handwerks.“

Etwas verhaltener verlief das Jahr 2018 in den übrigen Handwerken, etwa den Gesundheitshandwerken, den Ernährungshandwerken wie Bäcker und Fleischer oder bei den Handwerken „rund ums Fahrzeug“ (Kraftfahrzeug-, Vulkaniseur- und Karosseriebauerhandwerk).

Hauptgeschäftsführer Sautmann: „Angesichts der guten Auftragslage kann man Kunden grundsätzlich raten, ihren Handwerksbetrieb frühzeitig anzusprechen, um bei einer Wartezeit nicht enttäuscht zu sein. Notfälle – etwa eine kaputte Heizung – werden aber natürlich zeitnah abgewickelt.“

Die Beschäftigtenzahlen wiesen 2018 einen leichten Zuwachs auf. 58 % sprechen von unveränderten Mitarbeiterzahlen, 26 % von gestiegenen und nur 16 % von gesunkenen Mitarbeiterzahlen. Wulfmeyer: „Der Fachkräftebedarf ist groß, aber es gibt nicht ausreichend Mitarbeiter. Hieraus entwickelt sich immer mehr eine Wachstumsbremse.“

Probleme bei der Besetzung offener Arbeitsplätze gibt es in fast allen Handwerken, zumal immer mehr Mitarbeiter in den Ruhestand gehen. Sautmann: „Auch die gesetzliche Regelung für einen vorzeitigen Ruhestand nach 45 Beitragsjahren verschärft die Situation.“

Ausblick 2019

In das neue Jahr gehen die Betriebe mit viel Optimismus. 91 % der Betriebe erwarten konstante Umsätze (auf hohem Level) oder gar Steigerungen. Das deutet für das Jahr auf einen gleichbleibend hohen Auftragsbestand hin. Der hohe Beschäftigungsstand und sichere Arbeitsplätze ermöglichen vielen Verbrauchern Investitionen, ebenso die niedrige Zinsentwicklung.

Arbeitsplätze sind sicher, Fachkräfte knapp

Entlassungen wird es künftig kaum noch geben, es sei denn persönliche Gründe spielen eine Rolle. Allerdings wird ein Zuwachs auch nur begrenzt möglich sein wegen des Fachkräftemangels.

Wulfmeyer: „Es wäre zu begrüßen, wenn die Zuwanderung von Arbeitskräften aus dem Ausland durch die geplante neue gesetzliche Regelung leichter möglich würde.“

Preisentwicklung

Die gute Auftragssituation ermöglicht es vielen Betrieben, Kostensteigerungen aus der Vergangenheit an den Kunden weiterzugeben. Auch aktuell gibt es gerade im Bau- und Ausbaubereich zum Teil deutliche Preissteigerungen.

Auch die vielfältigen Bauauflagen tragen zur Erhöhung der Kosten bei. Sinkende Preise erwartet kaum ein Betrieb mit Ausnahme derjenigen mit hochwertigen Gütern, die in Konkurrenz zur Industrie stehen (Schneider, Goldschmiede). 

8.347.500 Euro Schäden durch Staus im Handwerk

Mit der Konjunkturumfrage haben wir auch die Betriebe befragt, ob es in den letzten 6 Monaten verkehrsbedingte Behinderungen in Bielefeld gegeben habe, die zur Beeinträchtigung des betrieblichen Arbeitsablaufes führen. Knapp 50 % der Betriebe sprechen hier von sehr häufigen Beeinträchtigungen, rd. 45 % Betriebe von Beeinträchtigungen „ab und zu“. Kreishandwerksmeister Wulfmeyer: „Das bedeutet im Ergebnis, daß verkehrsbedingte Behinderungen zur ständigen Belastung für die Betriebe geworden sind! Bei nur 15 Minuten Stauzeit pro Wagen entsteht für das Bielefelder Handwerk ein Schaden von 8.347.500 Euro pro Jahr.“

Dabei reagieren 53 % der Kunden heute noch mit Verständnis, aber 47 % zeigen auch kein Verständnis für verkehrsbedingte Verspätungen. Hauptgeschäftsführer Sautmann: „Wir müssen uns bei den Kunden für deren Verständnis bedanken.“ Allerdings können die Betriebe nicht umhin, diese Kosten an die Kunden weiterzugeben. Einher geht die Einschätzung, daß die Kunden immer weniger Verständnis für derartige Verspätungen aufbringen werden. 

Dieselfahrverbot darf es nicht geben

80,1 % der Bielefelder Betriebe fahren einen Diesel, 19,1 % einen Benziner und nur 0,8 % ein Elektro-/Hybridfahrzeug. Das Handwerk hat sich in den letzten Jahren auf die Aussagen von Politikern und Industrie verlassen, der Diesel sei eine Zukunftstechnologie. Wulfmeyer: „Ein kurzfristiger Austausch der Flotte ist schon aus finanziellen Gründen nicht möglich.“ Darüber hinaus gebe es derzeit auch keine sinnvollen Alternativen. 

Handwerk benötigt auch künftig freie Fahrt in der Innenstadt

Von 146 Bielefelder Betrieben werden täglich fast 1.000 Fahrzeuge in Bielefeld bewegt, davon mehr als die Hälfte Kleintransporter oder Lkw, eine gewaltige Zahl. Wulfmeyer: „Die deutliche Mehrheit der Betriebe wird auch in Zukunft Baustellen und Kunden anfahren müssen, auch Parkplätze in Kunden- und Betriebsnähe sind nötig.“

Vor diesem Hintergrund darf es in naher Zukunft keinen weiteren Rückbau von Ausfallstraßen oder eine Verengung von Straßen geben. Kunden und Betriebe müssen vernünftig erreichbar bleiben, ansonsten droht die Abwanderung von Betrieben ins Umland. Wulfmeyer: „Dadurch ist auch die Versorgungssicherheit mit handwerklichen Leistungen in Bielefeld gefährdet.“