Geschichte

125 Jahre Kreishandwerkerschaft Bielefeld

1887 bis 2012

Eine Chronik erfolgreichen Wirkens einer Unternehmerorganisation des Handwerks

Wir schreiben das Jahr 1887. Am 26. April schlossen sich 9 Bielefelder Innungen zu einem sog. „Innungsausschuß“ zusammen. Dieser Innungsausschuß ist Vorgänger des späteren „Handwerksamtes“ und der späteren Kreishandwerkerschaft Bielefeld.

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Als Zweck des Innungsausschusses wird u.a. angeordnet, die gemeinsamen Interessen der vereinigten Innungen und der Gewerbevereine zu vertreten. 1898 gehörten dem Innungsausschuß bereits 14 Innungen an. In den ersten Jahren des Innungsausschusses wurde dieser gemeinschaftlich von 3 Vorstandsmitgliedern geleitet. Von 1904 bis 1921 war dann Heinrich Lüdkemeier Vorsitzender des Innungsausschusses und damit auch dann bis 1918 des umorganisierten Handwerksamtes.

Das Handwerksamt hat in der Zeit bis zur Neuorganisation als Kreishandwerkerschaft vielfältige Aufgaben des Handwerks durchgeführt und Vorbildliches geleistet, etwa als nach dem 1. Weltkrieg die gesamte deutsche Wirtschaft und die deutsche Bevölkerung in der Inflation und im späteren wirtschaftlichen Niedergang dunkle Zeiten durchgemacht hatte.

Mitte der 30er Jahre verlegte das Handwerksamt seinen Sitz vom Schillerplatz in die Hans-Sachs-Str. 2, bis heute Sitz der Kreishandwerkerschaft Bielefeld. 1935 schließlich war das Handwerksamt zur Kreishandwerkerschaft umgebildet worden. Erster Kreishandwerksmeister wurde Bäckermeister Bleimund. Im November 1937 übernahm Baumeister Carl Schürmann das Amt des Kreishandwerksmeisters, dem 1943 Bäckermeister Wilhelm Potthoff folgte. Am 12.10.1945 übernahm Elektromeister Rudolf Fluhrer dieses Amt.

125kh2Im Februar 1952 konnte das im Krieg zerstörte Haus des Handwerks wieder genutzt werden. 2 Jahre später wurde die Umbildung der Kreishandwerkerschaft im Sinne der neuen Handwerksordnung beschlossen. Karl Wiechert wurde in diesem Jahr zum Kreishandwerksmeister gewählt. Ebenfalls 1954 wurde Malermeister Karl Godejohann erster Kreislehrlingswart der Innungen, ein Amt, das er über Jahrzehnte mit besonderer Leidenschaft wahrnahm.

Auf Karl Wiechert folgte 1957 Maurermeister Paul Walkenhorst im Amt des Kreishandwerksmeisters. 2 Jahre später fand erstmalig ein Handwerkerfest statt. Ebenfalls 1959 wurde die Modellbauer-Innung für den Reg.-Bez. Detmold gegründet und der Kreishandwerkerschaft angeschlossen.

Nach dem frühen Tod von Paul Walkenhorst wurde am 16.3.1962 Fleischermeister Friedhelm Schürmann zum neuen Kreishandwerksmeister gewählt. Er stand mehr als 33 Jahre an der Spitze der Kreishandwerkerschaft Bielefeld, war viele Jahre erster Bürgermeister seiner Stadt und darüber hinaus in unzähligen Ausschüssen, Verbänden und Gremien des Handwerks und der Kommune tätig. Er zählte zum handwerklichen Urgestein, der die Entwicklung des Bielefelder Handwerks entscheidend mitgeprägt hat.

Anläßlich der 750-Jahr-Feier der Stadt Bielefeld veranstaltete die Kreishandwerkerschaft an der Radrennbahn eine Ausstellung, die unter dem Motto lief „Es lohnt sich, ein Handwerk zu lernen“. 1965 wurde ein Erholungswerk e.V. gegründet und ein Jahr darauf ein Versorgungswerk für Handwerksmeister und Mitarbeiter, das bis heute fortbesteht. 1971 wurde ein „Handwerksservice“ eingerichtet, der Aufträge zwischen Kunden und insbesondere Betrieben der Bau- und Ausbaugewerke vermittelte. Dieser Service hat sich über mehrere Jahre bewährt.

Wie wichtig dem Bielefelder Handwerk die Förderung des Berufsnachwuchses war und bis heute ist, zeigt sich u.a. daran, daß Mitte der 70er Jahre das Malerbildungszentrum an der Fasanenstraße und das Handwerksbildungszentrum (HBZ) Brackwede mit den Fachbereichen Bau und Kfz an der Arnsberger Straße neu gebaut wurden. Die Bildungszentren wurden in der Folgezeit ständig auf den neuesten Stand gebracht und beispielsweise frühzeitig mit Computerarbeitsplätzen für die Meisterausbildung ausgestattet.

Ein weiteres Beispiel hierfür ist das Angebot an Schüler und Lehrer, an Betriebspraktika teilzunehmen. In Bielefeld wurde diese Möglichkeit erstmalig 1982 eingeführt. Schüler sollen vor ihrer Berufswahl in die Praxis der angestrebten Berufe „hineinschnuppern“ können und Lehrer der Sekundarstufe in die Lage versetzt werden, im berufsvorbereitenden Unterricht „aus der Praxis“ des Berufslebens berichten zu können. Ein Anliegen, das bis heute fortbesteht.

Ebenfalls 1982 wurde die jüngste Innung der Kreishandwerkerschaft Bielefeld gegründet, die Kälteanlagenbauer-Innung Bielefeld – heute: Innung für Kälte- und Klimatechnik OWL.

Auf Karl Godejohann im Amt des Kreislehrlingswartes folgten Julius Obergünner, Wilhelm Borchard, Egon Milsmann und Heinz-Wilhelm Beckmann. Sie koordinierten und bündelten die gemeinsamen Interessen in Fragen der Ausbildung.

Seit dem 17.4.1985 steht das Gebäude der Kreishandwerkerschaft Bielefeld in der Hans-Sachs-Str. unter Denkmalschutz.

Mitte der 80er Jahre suchte eine große Zahl Schulabgänger eine Lehrstelle. Es ist der intensiven „Seelenmassage“ durch die Kreishandwerkerschaft zu verdanken, daß 1986 1.330 Lehrverträge abgeschlossen wurden und es nur 73 unvermittelte Lehrstellenbewerber gab. Es war eine Zeit, in der zahlreiche Handwerksbetriebe in Bielefeld weit über ihre Kapazitäten hinaus ausgebildet haben.

Zum Zeitpunkt des 100-jährigen Jubiläums der Kreishandwerkerschaft im Jahre 1987 gehörten ihr 42 Innungen mit 2.530 Mitgliedsbetrieben an, in denen 17.638 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt und 3.928 Lehrlinge ausgebildet wurden.

„Handwerk lebt!“

Die 100-Jahr-Feier der Kreishandwerkerschaft stand unter dem Motto „Handwerk lebt!“. 125kh3Es wurde dem Anlaß entsprechend ein rauschendes Fest gefeiert und auch die Öffentlichkeit konnte teilhaben an diesem Jubiläum, denn in der Innenstadt wurde eine große Handwerkerausstellung mit vielen „lebenden Werkstätten“ und einem umfangreichen Rahmenprogramm veranstaltet, die von den Bürgerinnen und Bürgern begeistert aufgenommen wurde.

Wie „lebendig“ das Bielefelder Handwerk ist, zeigte sich denn auch in den folgenden 25 Jahren bis zum diesjährigen Jubiläum.

So folgten noch mehrere Open-Air-Ausstellungen dieser Art, die bisher letzte anläßlich des Millenniums am 2. September 2000. Ein wichtiger Aspekt dieser Veranstaltungen war auch das Thema „Ausbildung“. Ein Thema, das im Bielefelder Handwerk seit je her von sehr großer Bedeutung war, bis heute ist und auch weiterhin sein wird.

Es zählt zu den ganz großen Stärken des Bielefelder Handwerks, seinen eigenen Berufsnachwuchs selber heranzubilden. Dabei wird großer Wert nicht nur auf Quantität, sondern auch auf Qualität gelegt. Die duale Ausbildung bietet hierzu eine ideale Grundlage, die durch sog. überbetriebliche Unterweisungen/Schulungen in zum Teil innungseigenen Bildungszentren ergänzt wird.

Ausbildung – gute Investition in die Zukunft

Das herausragende Engagement des Bielefelder Handwerks in Sachen Ausbildung zieht sich auch wie ein roter Faden durch die letzten 25 Jahre. So wurde von Mitte bis Ende der 80er Jahre neben eindringlichen Appellen auch eine intensive „Telefonwerbung“ für mehr Lehrstellen betrieben, um eine drohende Jugendarbeitslosigkeit wegen der hohen Schulentlaßzahlen zu verhindern. Zahlreiche Betriebe haben in dieser Zeit trotz mäßiger Konjunkturentwicklung weit über ihre Kapazitäten hinaus ausgebildet. Auch das Bielefelder Handwerk hat gezeigt, daß es zu recht mit dem Prädikat „Ausbilder Nr. 1“ prämiert wurde.

Ab Oktober 1990 war die Kreishandwerkerschaft Bielefeld Trägerin des neu gegründeten Lehrlingsfördervereins (Lfv). Auf freiwilliger Basis wurden Lehrlinge mit Lerndefiziten gefördert und je nach Bedarf auch sozialpädagogisch betreut. Das geschah mit großem Erfolg. Die meisten der so betreuten Lehrlinge schafften mit Bravour ihre Prüfungen.

Von Anfang an nahm eine große Zahl unserer Innungen an den Berufsinformationsbörsen teil, die seit 1992 in den Carl-Severing-Berufsschulen – später: Berufskollegs – durchgeführt wurden. Die Berufsinformationsbörsen dienen nach wie vor der Orientierung für Schülerinnen und Schüler bei ihrer Berufswahl und als Informationsforum für Lehrer und Eltern. An zumeist lebenden Werkstätten des Handwerks wird anschaulich gezeigt, welche Tätigkeiten in den jeweiligen Berufen beherrscht werden müssen. Information und Beratung gerade auch von Lehrlingen zu Schülern steht hier im Vordergrund. Das Bielefelder Handwerk wird auch weiterhin auf den Berufsinformationsbörsen präsent sein.

Trotz eindringlicher Appelle nahm die Zahl der Ausbildungsplätze kurz nach der Jahrtausendwende angesichts anhaltender Konjunkturflaute rapide ab. Wurden beispielsweise 1999 noch 3.256 Ausbildungsplätze im Bereich der Kreishandwerkerschaft Bielefeld registriert, so waren es 2003 nur noch 2.577.

Im Juni 2003 wurde die Broschüre „Handwerk in Bielefeld“ vorgestellt, in der u.a. die verschiedenen Handwerksberufe vorgestellt und Ausbildungsbetriebe besonders gekennzeichnet wurden. Auch dies zeigt das große Ausbildungsengagement des Bielefelder Handwerks. Die rückläufigen Ausbildungszahlen stehen hierzu nicht im Widerspruch, denn im wesentlichen wurden nur die erheblichen Überkapazitäten abgebaut. Entsprechend heftig fiel die Kritik an der zu diesem Zeitpunkt geplanten Ausbildungsplatzabgabe aus. Die massiven Proteste aus der gesamten Wirtschaft verhinderten schließlich eine solche Ausbildungsplatzabgabe und es wurde ein sog. „Ausbildungspakt“ geschlossen.

2005 gründete die Kreishandwerkerschaft die Initiative „Mit Abitur ins Handwerk – MaiH“. Die Anforderungsprofile in weiten Teilen des Handwerks haben sich aufgrund der technischen und technologischen Entwicklung deutlich verändert und erhöht. Arbeiten mit „Hand und Kopf“ lautete die Losung. Handwerksunternehmer mit Abitur nahmen an Info-Veranstaltungen einzelner Gymnasien teil, um aufzuzeigen, daß man gerade auch mit Abitur im Handwerk Karriere machen kann. Der Erfolg war aber sehr mäßig. Zumindest zu diesem Zeitpunkt hatte sich in den Köpfen weder der Gymnasiallehrer noch der –schüler der Gedanke durchgesetzt, daß es außer eine akademischen Laufbahn noch attraktive Alternativen im Handwerk gibt. Die hohe Zahl von Studienabbrechern belegt, da ein Umdenken hier dringend nötig ist.

Einen Höhepunkt in Sachen Ausbildung bildete 2008 eine große gemeinsame Freisprechungsfeier in der Bielefelder Oetker-Halle mit dem damaligen Handball-Bundestrainer Heiner Brand als Festredner, der mit seiner Mannschaft wenige Monate zuvor Weltmeister geworden war. Auch die ehemalige nordrhein-westfälische Schulministerin Barbara Sommer sowie der damalige Obernbürgermeister Eberhard David zählten zu den Gästen.

Im Jubiläumsjahr 2012 haben wir im Bereich der Kreishandwerkerschaft Bielefeld insgesamt rd. 2.600 Auszubildende, davon rd. 2/3 männlich und 1/3 weiblich.

Kreishandwerkerschaft Bielefeld – engagiert, kompetent, erfolgreich

So wichtig und bedeutsam eine qualifizierte Aus-, Fort- und Weiterbildung im Handwerk auch sein mag – es wurden im Laufe der Jahre immer wieder auch Meisterfeiern durchgeführt –, für die Kreishandwerkerschaft Bielefeld gab es darüber hinaus auch in den letzten 25 Jahren viel zu tun.

Die Bekämpfung von Schwarzarbeit nahm insbesondere Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre einen breiten Raum ein. Insbesondere in den Bau- und Ausbaugewerken wurde Schwarzarbeit zu einer immensen Gefahr für die Betriebe und damit auch für deren Mitarbeiter und Auszubildende. Außerdem gingen dem Staat gigantische Summen an potentiellen Steuereinnahmen verloren. Die Kreishandwerkerschaft stellte eine Zeit lang sogar zwei zusätzliche Mitarbeiter ein, die sich ausschließlich mit der Bekämpfung von Schwarzarbeit befaßten und den Kontakt zu den einschlägigen Behörden, die Schwarzarbeit verfolgten, vertieften. Es gab einige Erfolge, aber es zeigte sich schnell, wie schwierig es war und ist, Schwarzarbeit nachzuweisen und sie einer Strafverfolgung zuzuführen.

Rahmenvereinbarungen und vieles mehr

Im Lauf der Jahre wurden beispielsweise mit Versicherungen, Strom- und Telekommunikationsanbietern Rahmenverträge abgeschlossen, die exklusiv für unsere Mitglieder besonders günstige Konditionen vorsehen.

Auch auf handwerkspolitischer Ebene hat sich die Kreishandwerkerschaft Bielefeld im Laufe der Jahre für die Interessen und Belange ihrer Mitglieder stark gemacht. Ein wichtiges Feld hierbei bildete die Vergabepraxis der Stadt Bielefeld. Ziel der Anstrengungen war und ist es, daß möglichst viele öffentliche Aufträge von ortsansässigen Handwerksunternehmen ausgeführt werden. In zahllosen Gesprächen mit Vertretern der Ratsfraktionen und der Verwaltung hat die Kreishandwerkerschaft darauf gedrängt, die Ausschreibungsverfahren so zu gestalten, daß auch kleinere Unternehmen eine Chance erhalten, einen der begehrten Aufträge zu bekommen. Das bedeutet: Weg von der Vergabe an Generalunternehmen, hin zu mehr beschränkter Ausschreibung oder freihändiger Vergabe in Fachlosen. Seit 2005 ist in Nordrhein-Westfalen eine mittelstandsorientierte Vergabe vorgesehen sowie die Vorgabe „Privat vor Staat“. Das erleichterte auch eine lange währende Forderung der Kreishandwerkerschaft nach mehr Privatisierung, denn einige Kommunen neigten dazu, Arbeiten durch stadteigene Kräfte ausführen zu lassen, obwohl eine Vergabe an private Unternehmen nachweislich kostengünstiger gewesen wäre. Das Handwerk konnte nach und nach Boden gut machen. Die Kreishandwerkerschaft wird aber auch in Zukunft der Stadt bei ihrer Vergabepraxis „auf die Finger schauen“.

Die Kreishandwerkerschaft Bielefeld agierte handwerkspolitisch allerdings nicht nur auf kommunaler Ebene. So gab es im Laufe der Jahre zahlreiche Gespräche auch mit Bundes- und Landtagsabgeordneten aus Bielefeld. Zu jeweils aktuellen Fragen und Themen, wie beispielsweise die Entwicklung der Lohnnebenkosten oder in den Jahren 2003/2004 zu der damals geplanten Novellierung der Handwerksordnung. Hier gab es heftige Diskussionen mit Bundestagsabgeordneten verschiedener Parteien, um zu verhindern, daß die mit der Novellierung verbundene Abschaffung der Meisterpflicht für die Ausübung eines selbständigen Handwerks in zahlreichen Handwerksberufen Gesetz wird. 2004 fand deshalb sogar in Berlin die erste Demonstration von Handwerksmeistern statt, an der sich auch Bielefelder Betriebe beteiligten. Die Proteste hatten teilweise Erfolg. Nicht alle geplanten Verschlechterungen der Handwerksordnung wurden umgesetzt. Diese Novellierung findet nach wie vor heftige Kritik im Bielefelder Handwerk, da sich die Notwendigkeit des Meisterbriefes als Voraussetzung für die berufliche Selbständigkeit zur Aufrechterhaltung des Qualitätsstandards bewährt hat.

Nach und nach entwickelte sich aus diesen Gesprächen die Veranstaltungsreihe „Handwerk trifft Politik“, zu der auch die Jahresempfänge zu zählen sind, die seit 2005 ein Mal jährlich in den Räumen von Bielefelder Handwerksunternehmen verschiedener Gewerke stattfinden.

Seit Anfang der 90er Jahre führt die Kreishandwerkerschaft Bielefeld bei ihren Mitgliedsbetrieben regelmäßig ein Mal im Jahr zum Jahreswechsel eine Konjunkturumfrage durch, um für ihren Bereich konkrete Angaben über Umsatz-, Beschäftigten- und Preisentwicklungen zu erhalten. Darüber hinaus werden zu aktuellen Themen Fragen gestellt, deren Auswertung Anhaltspunkte bieten, ob und inwieweit die Kreishandwerkerschaft aktiv werden muß.

1992 gründeten unter dem Dach der Kreishandwerkerschaft Handwerksunternehmerinnen und mitarbeitende Ehefrauen von Bielefelder Handwerksunternehmern den Arbeitskreis Unternehmerfrauen im Handwerk (UFH) Bielefeld e.V., der zwischenzeitlich um den Bereich Gütersloh erweitert wurde. Ziel des Arbeitskreises ist es u.a., durch Seminare und Gesprächsrunden Lösungen für vielfältige Probleme zu finden, beispielsweise wie man Haushalt, Kinder und die betrieblichen Aufgaben „unter einen Hut“ bringt. Mitarbeitende Ehefrauen/Lebenspartnerinnen sind auch die ersten Ansprechpartner von Kunden, aber auch von Mitarbeitern. Oft sind sie für die Buchhaltung zuständig. Dazu gehört eine gehörige Portion Energie und Organisationstalent. Hier den Mitgliedern Unterstützung zu bieten, hat sich der Arbeitskreis auf die Fahnen geschrieben.

125kh41993 fand ein Wechsel an der Verwaltungsspitze der Kreishandwerkerschaft statt. Nach 30 Jahren ging Hauptgeschäftsführer Walter Potthoff in den Ruhestand und Jürgen Sautmann übernahm seine Position.

Zu den vordringlichen Aufgaben der Kreishandwerkerschaft zählt die Information der Mitgliedsbetriebe über aktuelle fachliche, rechtliche oder handwerkspolitische Entwicklungen und Themen. Die Kreishandwerkerschaft bietet ein breites Seminarangebot, informiert durch Rundschreiben und seit 1994 gibt sie ein eigenes Mitgliedermagazin heraus, das 4 Mal jährlich erscheint.

1995 legt Kreishandwerksmeister Friedhelm Schürmann nach 33 Jahren aus Altersgründen sein Amt nieder. Zum Nachfolger wird Bäckermeister Hans-Günter Lamm gewählt, der dieses 125kh5Ehrenamt seither in herausragender Weise mit großem Erfolg wahrnimmt. Zahlreiche Initiativen gehen auf seine Anregung zurück. Friedhelm Schürmann wird zum Ehrenkreishandwerksmeister gewählt.

In dieser Zeit wurde auch die bisherige Gastronomie im Haus des Handwerks (HdH) aufgegeben. Es fand ein kompletter Umbau statt und 1996 eröffnete dort das Stadtpalais, in dem auch der Jubiläumsempfang anläßlich des 125-jährigen Bestehens stattfindet. Auch das Verwaltungsgebäude der Kreishandwerkerschaft wurde teilweise umgebaut und renoviert.

In diesen Jahren nahm die Diskussion um eine geplante Öffnung der Innungskrankenkasse (IKK) Bielefeld einen breiten Raum ein. Bis dahin waren die Innungen Träger der Krankenkasse, nun sollte sie auch für Nichthandwerker geöffnet werden. Große Teile des Handwerks sprachen sich dagegen aus. Der Verwaltungsrat der IKK beschloß schließlich die Öffnung zum 1.4.1999.

Seit dem Jahr 2000 ist die Kreishandwerkerschaft Bielefeld mit einer eigenen Webseite im Internet vertreten. Da abzusehen war, daß das Internet als Informations- und Kommunikationsmedium immer attraktiver werden würde, bot die Kreishandwerkerschaft hierzu ihren Mitgliedern zahlreiche Einführungsseminare an. Inzwischen dürften alle Handwerksunternehmen einen PC haben mit Internetzugang und viele von ihnen haben auch einen eigenen Internetauftritt. Das gleiche gilt für einen Großteil der Innungen.

Die Internetadresse der Kreishandwerkerschaft Bielefeld lautet: www.kh-bielefeld.de.

Um die Jahrtausendwende herum lahmt die Konjunktur wegen einer hohen Inflationsrate. Insbesondere die Bau- und Ausbaugewerke sowie der Kfz-Bereich sind davon betroffen; eine Ausnahme bildet das Metallhandwerk. Die Kreishandwerkerschaft bietet zahlreiche Seminare zur Vorbereitung auf die Währungsumstellung auf den Euro an.

Die Konjunkturumfrage 2002/2003 ergab ein „äußerst düsteres Bild“. Die Situation war geprägt von einer deutlich gestiegenen Zahl von Insolvenzen sowie durch erhebliche Umsatz- und Gewinnrückgänge in allen Handwerken. Hinzu kam ein deutlicher Stellenabbau und eine ebenso deutliche Verringerung der Ausbildungsplätze. Ursächlich hierfür waren primär die damaligen Rahmenbedingungen, in erster Linie die zu hohen Nebenkosten, die Zunahme bürokratischer Hemmnisse sowie eine erdrückende Steuer- und Abgabenlast, verbunden mit einer verbreiteten Unsicherheit der Kunden bzw. Verbraucher. „Die Politik weise in den letzten Monaten kaum Kontinuität auf, niemand könne sich darauf einstellen, was künftig komme“, ist dem Protokoll zu entnehmen.

Das hinderte das Bielefelder Handwerk allerdings nicht daran, den „Eisernen Anton“ von Grund auf zu renovieren und der Stadt im Rahmen eines kleinen Festes vor Ort wieder im125kh6gebrauchsfähigen Zustand zu übergeben.

Bereits 2001 hatten sich junge Bielefelder Handwerksunternehmerinnen und Handwerksunternehmer getroffen, um „abzuklopfen“, ob Interesse daran bestehe, sich zu organisieren. Ein Jahr später schließlich wurde ebenfalls unter dem Dach der Kreishandwerkerschaft der Verein Bielefelder Handwerksjunioren gegründet. Es ging darum, die gemeinsamen Interessen junger Handwerksunternehmen zu bündeln und in die Kreishandwerkerschaft mit einzubringen.

Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise in den Jahren 2008/2009 ging auch am Bielefelder Handwerk nicht spurlos vorüber. Von einer Insolvenzwelle ist die Kreishandwerkerschaft allerdings verschont geblieben. In den Folgejahren 2010 und 2011 konnte in den meisten Gewerken wieder Boden gut gemacht werden. Die Konjunkturumfrage 2011/2012 ergab für das Jahr 2011 eine positive Umsatzentwicklung, wie sie es seit vielen Jahren nicht mehr gegeben hatte. Auch die Beschäftigten- und Ausbildungszahlen zeigten eine deutliche Tendenz nach oben. Für die künftige wirtschaftliche Entwicklung wird viel davon abhängen, so ergab die Umfrage, wie sich die Situation im Euroraum entwickeln wird, d.h., wie erfolgreich und nachhaltig in Brüssel Politik gemacht wird.

Im Jubiläumsjahr gehören der Kreishandwerkerschaft Bielefeld 34 Innungen an mit insgesamt 1.560 Mitgliedsbetrieben und ca. 26.100 Beschäftigten und rd. 2.600 Lehrlinge ausgebildet.

Dem Team der Kreishandwerkerschaft gehören 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an.

Der Vorstand der Kreishandwerkerschaft Bielefeld

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Dem Vorstand der Kreishandwerkerschaft Bielefeld gehören im Jubiläumsjahr an:

Hans-Günter Lamm (Kreishandwerksmeister), Bäcker-Innung Bielefeld

Peter Schwabedissen (stv. Kreishandwerksmeister), Maler- u. Lackierer-Innung Bielefeld

Oliver Davidsohn, Gebäudereiniger-Innung Ostwestfalen-Lippe

Walter Hechler, Innung für Sanitär- u. Heizungstechnik Bielefeld

Henning Kleemann, Straßenbauer-Innung Ostwestfalen-Lippe zu Bielefeld

Matthias Krieter, Baugewerbe-Innung Bielefeld

Thomas Martinschledde, Friseur-Innung Bielefeld

Eckart Menke, Glaser- u. Glasschleifer-Innung Ostwestfalen zu Bielefeld

Torsten Steffen, Metallbauer-Innung Bielefeld

Karl Witte, Fachinnung Elektrotechnik Bielefeld

Frank Wulfmeyer, Tischler-Innung Bielefeld

Zukunft braucht Handwerk!

Demografischer Wandel, Energiewende, energetische Gebäudesanierung, Entbürokratisierung, Senkung der Lohnnebenkosten – dies sind nur einige der Themen, deren sich die Kreishandwerkerschaft Bielefeld in den nächsten Jahren annehmen wird.

Das Handwerk hat bereits auf die sich verändernde Altersstruktur in Deutschland reagiert. Altersgerechtes, behindertengerechtes, barrierefreies Wohnen ist ein Aufgabengebiet, das sich inzwischen zahlreiche Betriebe in den einschlägigen Gewerken zu eigen gemacht haben. Es wird auch weiterhin eines der Ziele der Kreishandwerkerschaft sein, hierfür die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, beispielsweise durch die Unterstützung oder die Mitarbeit in Netzwerken. So ist die Kreishandwerkerschaft Bielefeld beispielsweise Mitglied im Förderverein „Lebensgerechtes Wohnen OWL e.V.“.

Um Energieeinsparung in Betrieben geht es in dem Projekt „Öko-Profit“, bei dem die Kreishandwerkerschaft Bielefeld Kooperationspartner ist. Auch diesem weiten Feld der Nutzung erneuerbarer Energien, etwa durch Nutzung von Solarenergie, Erdwärme oder Windkraft, widmen sich bereits zahlreiche Betriebe. Sie hierbei zu unterstützen wird auch künftig eine der Aufgaben der Kreishandwerkerschaft sein.

Die Kreishandwerkerschaft wird auch politisch nicht locker lassen, wenn es darum geht, dem hohen Verwaltungswust zu begegnen, dem die Betriebe inzwischen ausgesetzt sind. Wer mehr mit „Verwaltungskram“ zu tun hat, als etwa in der Werkstatt, in der Backstube oder auf der Baustelle zu arbeiten, kann betriebswirtschaftlich nicht wirklich effektiv tätig sein. In der derzeitigen wirtschaftlichen Situation wird es zwar äußerst schwierig sein, Lohnzusatzkosten zu senken. Aber diese Forderung bleibt bestehen und die Kreishandwerkerschaft wird nicht müde werden, auf die Notwendigkeit einer Entlastung der Betriebe hinzuweisen.

Als Arbeitgeberverband wird die Kreishandwerkerschaft auch in Zukunft ihre Innungen und Betriebe in Rechts- und Tariffragen betreuen, beraten und vertreten. Und die Kreishandwerkerschaft wird dies genauso kompetent tun, wie in den zurückliegenden 125 Jahren!