Hoch im Bielefelder Handwerk hält an

Hoch im Bielefelder Handwerk hält an

Bielefeld. Das Hoch im Bielefelder Handwerk hat auch im achten Jahr hintereinander angehalten. Seit 2010 bewegt sich die Handwerkskonjunktur anhaltend auf einem hohen Level.Für 2017 meldeten 47,27 % der Bielefelder Handwerksbetriebe in der Konjunkturumfrage zur Jahreswende wiederum einen Umsatzzuwachs, 30,85 % meldeten unveränderte Umsätze im Vergleich zum Vorjahr 2016, in dem sich das Handwerk auch schon auf einem hohen Level bewegte. So waren die Jahre 2016 und jetzt auch 2017 die besten Jahre innerhalb der letzten 10 Jahre.

Das gilt insbesondere für die Bau- und Ausbauhandwerke, das Metallhandwerk und für einen Teil der Dienstleister, bei denen das Gebäudereinigerhandwerk positiv heraus ragt. Aber auch Bäcker- und Kfz-Betriebe konnten sich in 2017 wieder insgesamt positiv entwickeln. 

Kreishandwerksmeister Wulfmeyer: „Die Kunden investieren weiter in Haus und Auto sowie in weitere Qualitätsprodukte des Handwerks. Auch das Bäckerhandwerk kann sich hier mit seiner Vielseitigkeit und Qualität beim Kunden behaupten.“

Die Zahl der Insolvenzen bewegt sich mit 5 weiter auf einem niedrigen Niveau.

Etwas verhaltener war der Verlauf bei den Gesundheitshandwerken im Zahntechniker-, Orthopädie-Techniker- und Orthopädie-Schuhtechniker-Handwerk durch die Einbindung in das Sozialversicherungssystem.

Ausblick 2018 

Auch das Jahr 2018 gehen die Betriebe mit viel Optimismus an. Hauptgeschäftsführer Sautmann: „31,84 % der Betriebe sprechen von steigenden Umsätzen, 61,69 % der Betriebe von einem gleichbleibend hohen Auftragsbestand.“

Insgesamt erwarten nur 6,47 % der Betriebe einen sinkenden Umsatz. Das Handwerk schaut also äußerst optimistisch nach vorn. 

Der hohe Beschäftigungsstand und sichere Arbeitsplätze ermöglichen vielen Verbrauchern Investitionen. Auch die Zinsentwicklung ist nach wie vor positiv: Einerseits lohnt es sich nicht, das Geld zur Bank zu bringen! Andererseits sind Kredite für Beschaffungen und Renovierungen nach wie vor sehr günstig. Die positive Grunderwartung der Betriebe wird auch durch viele Prognosen der Wirtschaftsinstitute gestützt. 

Risiken liegen derzeit in dem langsam aber sicher steigenden Ölpreis, der die betrieblichen Kosten ebenso belastet wie die Kosten für den Strom, während energieintensive Betriebe, in der Regel aus dem industriellen Bereich, entlastet werden. Die Kosten müssen aber dann von allen Betrieben aufgefangen werden und damit auch vom Handwerk. Hier muß der Gesetzgeber etwas ändern.

Risiken liegen auch in den Handlungen der Politik, die derzeit immer wieder neue Wohltaten beschließt. Genau diese Gefahr besteht auch bei den derzeitigen Koalitionsverhandlungen bezogen auf die Rentenversicherung sowie auch auf die Krankenversicherung. Kreishandwerksmeister Wulfmeyer: „Derzeit leben alle von der guten Konjunktur. Ändert sich diese, dann werden auch die Wohltaten der Politik, z.B. bei der Rentenversicherung, schwer wiegen.“

Arbeitsplätze sind sicher, Fachkräfte knapp

Immer stärker wirkt sich der Fachkräftemangel als Konjunkturbremse aus. In einigen Bereichen ist der Markt leergefegt, wie etwa im Elektro- oder Heizungsbauerhandwerk. Entlassungen gibt es kaum, die Betriebe versuchen vielmehr, die Fachkräfte zu binden. Hauptgeschäftsführer Sautmann: „Es wäre zu begrüßen, wenn die Zuwanderung von Fachkräften aus dem Ausland ermöglicht würde.“ Derzeit wirkt sich der Fachkräftemangel immer stärker negativ aus.

Preisentwicklung

Kostensteigerungen beim Material bzw. bei den Herstellungskosten müssen an die Kunden weitergegeben werden. Zur Verteuerung etwa im Baubereich tragen auch immer stärker Bauauflagen bei. Hier ist es dringend notwendig, die Anforderungen des Gesetzgebers zu überprüfen.

Auch die Digitalisierung führt in vielen Handwerksbereichen in einem ersten Schritt zu Kostensteigerungen.

Ausbildung

Erfreulicherweise entspannt sich die Ausbildungssituation seit einigen Jahren, die jungen Leute entdecken scheinbar das Handwerk neu.

2017 gab es bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen ein Plus von rd. 4 % im Bereich der Kreishandwerkerschaft Bielefeld, 870 neue Verträge wurden abgeschlossen.

Von der positiven Entwicklung der letzten Jahre konnte eine Vielzahl von Handwerken profitieren, in diesem Jahr aber insbesondere das Kraftfahrzeugmechatronikerhandwerk, das Kälteanlagenbauerhandwerk, das Friseurhandwerk sowie die Metall- und Elektroberufe. Schwieriger ist es nach wie vor in den Bauberufen, aber auch in den Nahrungsmittelhandwerken.

Keine Verschlechterung der Rahmenbedingungen für Betriebe in Bielefeld

Sorgen macht dem Bielefelder Handwerk die Verkehrssituation. Eine Sperrung des Jahnplatzes ist nicht zumutbar und sinnlos. Eine solche Sperrung würde den Verkehr nur in die Nebenstraßen abdrängen, wo sich das Stickoxyd-Problem verstärken würde. Auch immer mehr Tempo 30-Zonen behindern den Verkehr immer stärker. Die Versorgung der Kunden wird hierdurch beeinträchtigt bzw. immer teurer. Ein umfassendes Tempo 30 ist nicht tragbar, insbesondere nicht auf den Hauptausfallstraßen. Auch die immer weitergehende Beschränkung der Parkmöglichkeiten vor Betrieben, insbesondere in der Innenstadt, bringt für die Betriebe große Probleme mit sich. 

Keine Steigerung der Lohnnebenkosten

Sorgen machen dem Handwerk auch die derzeitigen Koalitionsgespräche auf Bundesebene. Hier ist die Gefahr, daß Maßnahmen beschlossen werden, die zu einer Erhöhung der Lohnnebenkosten führen. Gerade für die Handwerksbetriebe sind die Lohnnebenkosten von großer Bedeutung, da das Handwerk sehr lohnintensiv ist und wettbewerbsfähig bleiben muß.

Vor diesem Hintergrund fordert das Handwerk auch eine Senkung des Beitrags zur Arbeitslosenversicherung, die über eine ausreichende Rücklage verfügt.

Wohltaten, wie die Mütterrente und die Rente mit 63, belasten die Rentenkassen schon erheblich. Neue Rentenleistungen, wie die Ausdehnung der Mütterrente, mögen sozialpolitisch zwar zu begrüßen sein, müssen dann aber aus Steuermitteln finanziert werden. Nur die außerordentlich gute Wirtschaftslage läßt bis heute eine Finanzierung zu, die wirtschaftlich gute Lage wird aber leider wohl nicht ewig so bleiben.

Befristung von Arbeitsverhältnissen

Hier gibt es nur die Möglichkeit, sachgrundlos in den ersten 2 Jahren zu befristen. In der Öffentlichkeit wird diese Regelung vielfach durcheinander geworfen mit den sog. Kettenarbeitsverträgen. Letztere bedürfen eines Grundes und kommen in den Handwerksbetrieben eher selten vor, wohl aber bei der öffentlichen Hand.

Im Handwerk ist es wichtig, genügend Zeit zur Verfügung zu haben, um die persönliche und fachliche Eignung eines neuen Mitarbeiters im betrieblichen Alltag zu prüfen. Gerade kleine Betriebe brauchen hier die Möglichkeit, um flexibel auf schwankende Auftragslagen reagieren zu können. In Zeiten des Fachkräftemangels verliert die Befristung ohnehin derzeit an Bedeutung, da gute Mitarbeiter langfristig gebunden werden. Gerade bei Berufsanfängern und Gruppen mit Vermittlungshemmnissen haben die ersten 2 Jahre für die Betriebe aber eine große Bedeutung, um flexibel zu bleiben. Insofern muß es bei der derzeitigen Regelung bleiben. 

Umsatz 2017 im Vergleich zum Vorjahr (2016)

  Gesamt Bau Ausbau Gesundheit Ernährung Fahrzeug Metall Dienstleistung Sonstige
gestiegen 47,27 % 50,05 % 44,66 % 36,36 % 60,00 % 48,30 % 80,00 % 68,25 % 9,10 %
unverändert 30,85 % 34,65 % 35,42 % 27,28 % 40,00 % 37,95 % 20,00 % 13,65 % 27,30 %
gesunken 21,89 % 15,30 % 19,92 % 36,36 % 0,00 % 13,75 % 0,00 % 18,10 % 63,60 %

 

Umsatzerwartungen für 2018

  Gesamt Bau Ausbau Gesundheit Ernährung Fahrzeug Metall Dienstleistung Sonstige
steigend 31,84 % 19,25 % 38,50 % 30,30 % 40,00 % 17,25 % 40,00 % 54,60 % 1,91 %
konstant 61,69 % 73,05 % 60,06 % 60,60 % 60,00 % 75,90 % 60,00 % 36,40 % 63,60 %
sinkend 6,47 % 7,70 % 1,44 % 9,10 % 0,00 % 6,85 % 0,00 % 9,00 % 27,30 %

 

Beschäftigtenzahl 2017 im Vergleich zum Vorjahr (2016)

  Gesamt Bau Ausbau Gesundheit Ernährung Fahrzeug Metall Dienstleistung Sonstige
gestiegen 24,88 % 11,55 % 23,10 % 18,18 % 40,00 % 31,05 % 40,00 % 50,05 % 0,00 %
unverändert 60,20 % 73,15 % 56,98 % 72,72 % 60,00 % 48,30 % 60,00 % 36,40 % 90,90 %
gesunken 14,93 % 15,30 % 9,90 % 9,10 % 0,00 % 20,65 % 0,00 % 13,65 % 9,10 %

 

Erwartung Beschäftigtenzahlen für 2018

  Gesamt Bau Ausbau Gesundheit Ernährung Fahrzeug Metall Dienstleistung Sonstige
steigend 21,39 % 15,30 % 44,66 % 12,12 % 0,00 % 13,80 % 20,00 % 45,50 % 9,10 %
unverändert 72,64 % 80,85 % 35,42 % 78,78 % 100,00 % 75,90 % 80,00 % 10,05 % 81,80 %
sinkend 5,97 % 3,85 % 19,92 % 9,10 % 0,00 % 10,30 % 0,00 % 4,45 % 9,10 %

 

Erwartete Preisentwicklung im Jahr 2018

  Gesamt Bau Ausbau Gesundheit Ernährung Fahrzeug Metall Dienstleistung Sonstige
steigend 54,23 % 53,90 % 70,84 % 36,36 % 60,00 % 44,85 % 50,00 % 59,15 % 27,30 %
stabil bleibend 44,78 % 46,10 % 29,16 % 60,60 % 40,00 % 55,15 % 50,00 % 36,40 % 72,70 %
sinkend 0,99 % 0,00 %q 0,00 % 3,04 % 0,00 % 0,00 % 0,00 % 4,45 % 0,00 %

 

Umsatzentwicklung der letzten 6 Jahre:

Tendenz Umfrage 2012 Umfrage 2013 Umfrage 2014 Umfrage 2015 Umfrage 2016 Umfrage 2017
gestiegen 39,27 % 33,86 % 45,63 % 47 % 47 % 47,27 %
unverändert 38,28 % 37,55 % 28,69 % 38 % 41 % 30,85 %
gesunken 22,45 % 28,59 % 25,68 % 15 % 12 % 21,89 %